Chemisches Recycling: Ein Baustein für nachhaltiges Abfallmanagement und zirkuläre Wirtschaft – technologieoffene Sichtweise erforderlich!

Das chemische Recycling von Kunststoffabfällen gewinnt zunehmend an Bedeutung, was zahlreiche Projekte und Forschungsvorhaben in Industrie und Wissenschaft belegen. Bei diesem Prozess werden Kunststoff-Molekülketten durch chemische Veränderungen in kleine chemische Grundbausteine zerlegt. Die so gewonnenen Grundstoffe sind den Primärrohstoffen vergleichbar und können uneingeschränkt zur Erzeugung neuer Produkte eingesetzt werden. Da für das chemische Recycling aber keine abfallrechtliche Legaldefinition existiert, gibt es aktuell unterschiedliche Auslegungen und Sichtweisen.

Mechanische und chemische Recyclingverfahren
ergänzen sich gegenseitig optimal zum Aufbau
einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.

Das chemische Recycling kann sich – speziell in Deutschland – zu einem wichtigen Baustein für eine funktionierende nachhaltige zirkuläre Wirtschaft entwickeln, indem es dem „klassischen“ mechanischen Recycling komplementär an die Seite gestellt wird und damit auch neue Recyclingmöglichkeiten für Materialien bietet, die bisher energetisch verwertet werden. Dies wird allerdings nur dann gelingen, wenn das chemische Recycling auch auf die relevanten werkstofflichen Recyclingquoten angerechnet werden kann.

Natürlich muss hierfür die Voraussetzung sein, dass dies bezogen auf die jeweilige Abfallstrombeschaffenheit der ökobilanziell bessere Weg im Vergleich zum mechanischen Recycling wie auch in Relation zur energetischen Verwertung ist.

 

Zirkuläre Wirtschaft ist mehr als „klassisches“ werkstoffliches Recycling.

In verschiedensten ausgefeilten mechanischen Recyclingverfahren, werden Kunststoffabfälle mittels physikalischer Prozessschritte aufbereitet und anschließend unmittelbar in den Stoffkreislauf zurückgeführt. Im chemischen Recycling wird der Abfall in seine chemischen Bausteine zerlegt und so die ursprünglichen Ausgangsstoffe zurückgewonnen, die von den neu erzeugten Rohstoffen chemisch nicht unterscheidbar sind. Sie können dann für die Produktion neuwertiger Kunststoffe eingesetzt werden. Dies ist quasi die Definition eines geschlossenen Rohstoffkreislaufs nach dem Prinzip Cradle-to-Cradle. Ein Beispiel dafür, wie ein chemisches Recyclingverfahren in die Praxis umgesetzt aussehen kann, liefert die Anlage zum Recycling von PTFE der Firma 3M mit dem Standort der Dyneon in Burgkirchen. Das Unternehmen gewann mit diesem Verfahren den Responsible Care Wettbewerb 2017 zum Thema Kreislaufwirtschaft sowohl in der bayerischen Konkurrenz als auch auf Bundesebene.
Durch chemische Recycling-Verfahren können somit zusätzliche Abfallströme für das Recycling erschlossen werden, die bisher im Wesentlichen energetisch verwertet werden. Dadurch kann auch insgesamt der Anteil des werkstofflichen Recyclings erhöht werden.

Chemisches Recycling sollte zur Erfüllung
von Recyclingquoten angerechnet werden!

Damit chemisches Recycling am Industriestandort Deutschland aber zu einer nachhaltigen zirkulären Wirtschaft beitragen kann, benötigt es eine technologieoffene Lesart des geltenden Abfallrechts hinsichtlich der grundsätzlichen Regelung zur Quoten-Anrechnungsmöglichkeit. Politik und Verwaltung müssen jetzt rasch handeln, damit Verfahren zum chemischen Recycling in Deutschland zukünftig eine Chance haben!

 

Der VCI berichtet unter anderem zum Thema Chemisches Recycling im ChemieReport05/2019.

Eine ausführliche Darstellung ist zu finden in der gemeinsamen Positionierung von PlasticsEurope Deutschland und VCI zur systematischen und abfallrechtlichen Einordnung des chemischen Recyclings.

 

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