Chemiebranche unterstützt den Kampf gegen Corona

Noch nie haben so viele Unternehmen und Organisationen zusammengeholfen und kooperiert, um eine gesellschaftliche Herausforderung anzugehen. Auch und gerade die chemisch-pharmazeutische Industrie unterstützt derzeit, wo sie kann – in Bayern und anderswo.

Der VCI hat vor kurzem eine Plattform ins Leben gerufen, die hilft, genügend Desinfektionsmittel bereitzustellen (https://notfalldesinfektion.vci.de/). Denn der Bedarf ist sprunghaft gestiegen und gleichzeitig sind Lieferketten gerade wegen Corona ins Stocken geraten. Auch Unternehmen, die normalerweise nicht in diesem Segment tätig sind, helfen kurzfristig aus oder stellen sogar teils die Produktion gezielt um. Dabei geht die Hilfsbereitschaft der Unternehmen auch über die Zurverfügungstellung von Desinfektionsmitteln hinaus. So gibt es derzeit eine Reihe an Spendenaktionen für Schutzmasken, die im Gesundheitsbereich so dringend benötigt werden. Einige Beispiele, wie die chemisch-pharmazeutische Industrie in der aktuellen Krise mit deren Expertise oder einfach nur als guter Nachbar hilft, sind auf den Twitter-Kanälen des VCI und der Bayerischen Chemieverbände zu finden.

Die chemische Industrie ist als wichtiger Grundstofflieferant nicht nur für  Desinfektionsmittel, sondern auch für Schutzbekeidung wichtig. Neben Textilien mit einer speziellen Schutzausstattung sind oft auch Kunstfasern oder sogenannte Non-wovens gefragt sowie spezielle Filter für Atemmasken. Gerade im Krankenhaus werden natürlich keine einfachen, sondern mit Chemikalien veredelte Textilien gebraucht , um z.B. blut- oder feuchtigkeitsabweisend zu sein, denn nur so haben sie eine schützende Wirkung.
[Anmerkung: Die hierfür nötige "Chemie" (PFHexA/PfHexS) will die Europäische Chemikalienagentur ECHA derzeit beschränken (verbieten). Sollte sich an diesem Vorstoß nichts ändern, könnten Krankenhausschutzbekleidungen und andere Schutzausrüstungen (z.B. für die Feuerwehr) in Europa bald nicht mehr hergestellt werden. Dies bedeutet nicht nur Know-how-Verlust, sondern wird auch Abhängigkeiten von Nicht-EU-Ländern verschärfen. Die Textilverbände haben die Verknüpfung von EU-Chemikalienrecht mit der Verfügbarkeit von bestimmter Schutzbekleidung in einem aktuellen Artikel erläutert. Und auch hier bei uns finden Sie einen Artikel dazu!]

Darüber hinaus versorgt die Chemie viele andere Branchen mit Rohstoffen und Veredelungsprodukten für deren Produkte, die gerade jetzt wichtig sind. Kunststoffe für Schutzbrillen, Testkits oder Beatmungsgeräte, Behälter für Desinfektionsmittel, Chemikalien und Materialien für die große Anzahl an Corona-Tests.

Die Pharmaindustrie kämpft mit den Waffen der Forschung gegen das neue Virus und der damit verbundenen Krankheit Covid-19. Einerseits wird an schnelleren und besseren Tests auf den Virus an sich geforscht. Denn je schneller die Ergebnisse vorliegen und je mehr getestet werden kann, desto besser kann seitens der Politik, der Ärzte und Krankenhäuser reagiert werden. Die Pharmafirmen unserer Branche arbeiten mit Hochdruck auch daran, einen Test auf Antikörper anbieten zu können. Damit ließe sich feststellen, wer immun gegen die Krankheit ist und eigentlich keiner Kontaktbeschränkung mehr unterliegen müsste. Das wäre wichtig für eine Lockerung der Restriktionen.
Nicht zuletzt wird mit Nachdruck an Therapien für die Erkrankung geforscht. Aktuell wird insbesondere untersucht, ob bereits vorhandene oder in Entwicklung befindliche Arzneimittel auch gegen Covid-19 wirken könnten. Dies geht schneller, als einen Arzneimittelwirkstoff komplett neu zu entwickeln. So werden Wirkstoffe, die ursprünglich zur Therapie anderer durch Viren verursachter Infektionen entwickelt wurden, derzeit getestet und zeigen sogar erste positive Effekte. Sie könnten die Vermehrung der Viren im Körper behindern und vor dem Befall der Lunge schützen. Neben den antiviralen Wirkstoffen werden auch Mittel für andere Lungenkrankheiten getestet. Darüber hinaus laufen klinische Studien mit Immunmodulatoren, die in anderen Indikationen zugelassen sind (z.B in der Rheumatologie).

Die wichtigste Arbeit besteht aber wohl in der Entwicklung eines Impfstoffs gegen  SARS-CoV-2, denn das wäre ein echter Ausweg aus der Krise - wollen wir hoffen, dass die Chemiker, Biologen, Biochemiker und Ärzte bald erfolgreich sind. Die Impfstoffentwicklung ist jedoch hochkomplex und bedarf einiger Zeit.

Eine Zusammenstellung aktuell laufender Forschungsprojekte im Pharmabereich ist auf den Webseiten der Branchenverbände vfa und BPI zu finden. Auch wenn die Lösung noch nicht vorliegt, so können wir doch froh sein, dass es bei uns noch so viele und so gute Unternehmen gibt, die uns eine Lösung bringen werden (#Lösungsindustrie) und schon jetzt so tatkräftig bei der Bewältigung der Probleme unterstützen können.

Das ist nicht selbstverständlich und es bedarf auch einer weitsichtigen Politik, diese Situation zu erhalten, denn in den letzten Jahren ist es für die Unternehmen hierzulande im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz eher immer schwieriger geworden - Bürokratie, Strompreise, Auflagen (siehe Themen und Positionen auf unserer Seite).

Vielleicht steckt in dieser Krise eine Chance, dass die Wertschätzung für eine starke Industrie (#Lösungsindustrie) wieder zunimmt und wir auch für die Wirtschaftspolitik eine Wende hin zu mehr "Wertschätzung für Wertschöpfung" schaffen.

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