Die Automobilkrise geht uns alle an!

Deutschlands Automobilindustrie kämpft als Schlüsselindustrie gleichzeitig an drei Fronten: Konjunkturabschwung, Corona-Pandemie und fundamentaler Strukturwandel (Elektromobilität und Digitalisierung) haben sich zu einer toxischen Mischung für Unternehmen und Arbeitsplätze entwickelt. Was in der Vergangenheit Teil der industriellen Erfolgsstory Deutschlands war, wird jetzt zum Bumerang: Denn das mit diesem Schwergewicht verbundene „Klumpenrisiko“, das in Bayern mit BMW und Audi besonders ausgeprägt ist, wird jetzt Realität. Doch wer hier nur die Automobilhersteller (OEMs) und die großen Zulieferer wie z.B. Bosch, Conti, ZF oder Schaeffler im Fokus hat, greift bei weitem zu kurz. Neben vielen großen und kleinen Chemieunternehmen sind es unzählige KMUs, vor allem aus der Kunststoffverarbeitung und der Gummi- und Kautschukindustrie, die als hochspezialisierte Lieferanten die umfangreichen Wertschöpfungsketten im Bereich Automotive bilden. Von den hiervon wiederum abhängigen Dienstleistern und Handwerksbetrieben ganz zu schweigen. Denkt man all die Wertschöpfungsketten und wirtschaftlichen Abhängigkeiten zu Ende, dann wird klar, wie viele Unternehmen und Beschäftigte in Deutschland direkt und indirekt von der Autoindustrie abhängen.

Es ist also nur zu verständlich, dass zurzeit auf allen Ebenen nach Lösungen gesucht wird, diese Industrie in Deutschland zu erhalten. Denn die volkswirtschaftlichen Folgen eines Niedergangs wären für unser Land verheerend.

Ideen und Forderungen zur Rettung gibt es zuhauf. Die hohe Kunst dabei wird jedoch sein, die Maßnahmen so zu gestalten, dass ein zukunftsfähiges Überleben im globalen Wettbewerb organisiert und gleichzeitig der notwendige Strukturwandel nicht verhindert wird. Und das wird – machen wir uns nichts vor – nicht ohne Opfer möglich sein. Entscheidend ist jedoch, dass angesichts der „Disruption“ im Automobilbereich die „Erfinder des Automobils“ endlich begreifen, dass das Auto gerade nochmals neu erfunden wird. Einmal mehr wird es für uns alle darum gehen, nicht nur „anders“, sondern „das Andere“ zu denken!