VCI ruft zu sachlicher Diskussion bei den Kriterien für endokrine Disruptoren auf

Die deutsche chemische Industrie bekennt sich – nicht zuletzt durch ihre freiwilligen Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen „Responsible Care“ und „Chemie hoch 3“ – ausdrücklich zu einem hohen Niveau der Produktsicherheit für den Schutz von Mensch und Umwelt. Um als Innovationsmotor und Schlüsselindustrie auch in Zukunft am Standort Bayern mit gut bezahlten Arbeitsplätzen erfolgreich bestehen zu können, sind aber auch verlässliche Rahmenbedingungen von elementarer Bedeutung, denn die Investitionen der chemischen Industrie sind meist teuer und langfristig angelegt. Um eine investitionsfreudige Industrie mit all den positiven Effekten für den Wohlstand unserer Gesellschaft im Land zu halten, muss deshalb auch die Chemikaliengesetzgebung auf sachlich-wissenschaftlicher Basis und mit sorgfältiger Folgenabschätzung erfolgen. Nur, wenn sowohl die Chancen als auch die Risiken eines Stoffs oder einer Technologie fair bewertet und darauf basierend Entscheidungen zu gegebenenfalls nötiger Regulierung getroffen werden, ist am Ende auch der Gesellschaft geholfen.

Eine sachliche und wissenschaftlich basierte Diskussion wird im Rahmen der europäischen Stoffregulierung in den nächsten Monaten ganz besonders wichtig sein. Denn die Europäische Kommission erarbeitet derzeit Kriterien, mit denen festgelegt werden soll, welche Stoffe künftig als hormonell schädliche Stoffe, sogenannte „endokrine Disruptoren“, zu betrachten sind. Konkrete Vorschläge werden noch vor Sommer 2016 erwartet. Die EU ist die erste Region weltweit, in der endokrine Disruptoren im regulatorischen Umfeld definiert werden sollen. Entsprechend komplex, langwierig, kontrovers und zum Teil auch emotional sind die geführten Diskussionen. Für Stoffe, die durch die zukünftigen Kriterien als endokriner Disruptor identifiziert werden, würden automatisch eine Reihe von Vorschriften in bereits bestehenden gesetzlichen Regelungen greifen. So können diese Stoffe im Rahmen der REACH-Verordnung in die Kandidatenliste aufgenommen und die Verwendung kann einer Zulassungspflicht unterworfen werden. Die Pflanzenschutzmittel- und die Biozidprodukte-Verordnung schreiben sogar weitreichende Verwendungsverbote vor. Wenn bestimmte Stoffe nicht verwendet werden dürfen, kann dies neben wirtschaftlichen Auswirkungen auf das jeweilige Unternehmen und dessen Kunden auch gravierende Auswirkungen auf den Gesundheitsschutz haben; wie zum Beispiel eine Resistenzentwicklung von Schadorganismen, wenn die Palette der zur Verfügung stehenden Wirkstoffe bei Bioziden und Pflanzenschutzmitteln zu klein ist. Aus VCI-Sicht sollten deshalb bei der Entscheidung, ob ein Stoff ein endokriner Disruptor ist und deshalb gesetzlich geregelt werden muss, die bewährten Methoden der Risikobewertung Anwendung finden. Die zukünftigen Kriterien sollten deshalb diejenigen Stoffe erfassen, die bereits in niedrigen Mengen oder Dosierungen eine schädliche Wirkung beim Menschen oder in der Umwelt verursachen. Hierbei sollten insbesondere folgende Faktoren berücksichtigt werden: die Wirkstärke des Stoffes, die Schwere der schädlichen Effekte auf einen intakten Organismus, die Reversibilität eines negativen Effekts sowie die Aussagekraft der wissenschaftlichen Daten.

Im aktuellen Chemie Report hat der VCI einen Artikel zum Thema endokrine Disruptoren veröffentlicht, der zu einer Versachlichung der Diskussion zu diesem Thema beitragen soll:
https://www.vci.de/vci/downloads-vci/publikation/chemie-report/cr2016-0102.pdf
Weitere Informationen zu Daten und Fakten sowie Argumenten und Positionen im Zusammenhang mit endokrinen Effekten und endokrinen Schädigungen sind unter folgendem Link zu finden:
https://www.vci.de/top-themen/endokrine-effekte-und-endokrine-schaedigungen-2.jsp

 

 

 

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