Gemeinsame Strategie von IG BCE und VCI zur Wasserstoffwirtschaft

Mit diesem Strategiepapier legen IG BCE und VCI gemeinsam einen konstruktiven Beitrag zum anspruchsvollen politischen Diskurs auf dem Weg in eine klimaneutrale Wasserstoffwirtschaft und der angestrebten vollständigen Dekarbonisierung Deutschlands und Europas vor. Das Papier soll insbesondere Impulse für die Umsetzung der nationalen Wasserstoffstrategie und damit für die Arbeit des Nationalen Wasserstoffrats geben.

PDF Wasserstoffstrategie

Hier die wesentlichen Inhalte:

  1. Wasserstoff ist Ausgangspunkt wichtiger chemischer Wertschöpfungsketten. Für eine Dekarbonisierung der Branche bis 2050 bedarf es deshalb einer treibhausgasarmen Wasserstoffwirtschaft. Gleichzeitig müssen wettbewerbliche Bedingungen und die industrielle Basis erhalten werden. Erst dann sind die Voraussetzungen für eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft geschaffen.
  2. Die Chemieindustrie nutzt heute ca. 1 Mio. t Wasserstoff jährlich. Für eine Dekarbonisierung bis 2050 wird sich der Bedarf nahezu versiebenfachen. Die Abdeckung dieses großen Bedarfs und auch des Bedarfs anderer Branchen und Sektoren erfordert eine technologieoffene Betrachtung der treibhausgasarmen Wasserstofferzeugung. Entscheidend sollte der CO2-Fußabdruck und nicht das Herstellungsverfahren sein. So müssen neben der elektrolytischen Erzeugung von Wasserstoff mittels regenerativen Stroms auch alle übrigen Technologien offen betrachtet werden, die sich zur treibhausgasarmen Herstellung von Wasserstoff eignen, wie z.B. Chlor-Alkali-Elektrolyse, Methanpyrolyse sowie Dampfreformierung mit dem Einsatz von Biomethan und/oder CCS/CCU-Technologien (Speicherung/Nutzung des entstehenden Kohlenstoffdioxids bzw. Kohlenstoffs). Auch die Kreislaufwirtschaft sowie die Nutzung nachhaltiger Biomasse können und müssen signifikante Beiträge zur Dekarbonisierung leisten.
  3. Internationale Kooperation und Energieträgerimporte sind wichtig und rational, dürfen aber nicht zur Abwanderung von Wertschöpfungsstufen aus Deutschland führen.
  4. Aufgrund der vergleichsweise höheren Herstellungskosten von treibhausgasarm erzeugtem Wasserstoff und nicht vorhandener Alternativen sollte die stoffliche Wasserstoffverwertung einer thermischen Nutzung vorgezogen werden.
  5. Für einen erfolgreichen Markthochlauf treibhausgasarm erzeugten Wasserstoffs sind Gesamtstrompreise von maximal 4 ct/kWh erforderlich. In diesem Zusammenhang muss die Systematik der Strompreis-Umlagen geprüft sowie die Anrechnung treibhausgasneutral erzeugten Wasserstoffs in regulatorischen Zielgrößen sowie im Rahmen der Produktkennzeichnung ermöglicht und von energiesteuerlichen Anreizen flankiert werden. Ferner müssen Hemmnisse für Power Purchase Agreements beseitigt werden.
  6. Eine Wasserstoffwirtschaft erfordert den forcierten und kosteneffizienten Ausbau der erneuerbaren Energien sowie den beschleunigten Ausbau der Stromnetze. Zudem sind die in der nationalen Wasserstoffstrategie vorgesehenen Elektrolysekapazitäten nicht hinreichend ambitioniert, um den langfristigen Bedarf zu decken.
  7. Der Aufbau einer Wasserstoffnetzinfrastruktur ist notwendig. Zur Gewährleistung eines diskriminierungsfreien Netzzugangs und effizienter Entgelte ist deren Regulierung erforderlich; für bestehende private Wasserstoffnetze bedarf es diesbezüglicher Übergangsregelungen. Da initial nicht alle Wasserstoffsenken angebunden werden können, ist ein bilanzieller Zugang zu treibhausgasarm produziertem Wasserstoff mittels technologieoffener und europäisch handelbarer Herkunftsnachweise erforderlich. Durch eine integrierte Netzplanung zwischen Strom, Erdgas und Wasserstoff sollten Synergien gehoben werden. Beimischungen von Wasserstoff in Erdgasnetze sollte nur auf Verteilnetzebene erfolgen, und auch nur, soweit sensible Verbraucher dadurch nicht beeinträchtigt werden.
  8. Eine Finanzierung der erforderlichen technologischen Investitionen kann durch Carbon Contracts for Difference (CCfD) erfolgen. Die konkrete Ausgestaltung ist noch zu erörtern.
  9. Die in der nationalen Wasserstoffstrategie angekündigten Dialogformate sollte zügig die Arbeit aufnehmen.