
Innovation made in Bavaria: Die Zukunft des Pharmastandorts gemeinsam sichern!
16. Januar 2026Regionale Tarifrunde #Chemie2026: Bayerische Chemiebranche fordert tarifpolitische Atempause
München, 22. Januar 2026 – Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Bayern startet die Tarifrunde 2026 in einer wirtschaftlich äußerst angespannten Lage. Die regionalen Tarifverhandlungen mit der IGBCE wurden heute ergebnislos vertagt. Vor dem Hintergrund anhaltender Produktions- und Auftragsrückgänge, sinkender Produktivität und massiv gestiegener Kosten fordern die bayerischen Chemie-Arbeitgeber eine tarifpolitische Atempause, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zurückzugewinnen und die Arbeitsplätze zu sichern.
Die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung nach der letzten Tarifrunde hat sich nicht erfüllt. Stattdessen befindet sich die Branche weiterhin im Krisenmodus. Die Unternehmen müssen mit Restrukturierungsprogrammen, Personalabbau und Standortschließungen reagieren. Die Wirtschaftsdaten sind alarmierend. Die chemische Industrie produziert seit Anfang 2022 um ein Viertel weniger. Die Aufträge sind im selben Zeitraum für Chemie (ohne Pharma) um fast 30% zurückgegangen. Die Kapazitätsauslastung liegt seit vielen Quartalen unterhalb der Rentabilitätsschwelle – zuletzt bei lediglich 70%. Unter diesen wirtschaftlichen Bedingungen kann es keine Jobgarantie geben.
Dabei ist die Bedeutung der Branche für den Freistaat enorm: Rund 500 Chemie- und Pharmaunternehmen mit etwa 90.000 Beschäftigten erwirtschaften in Bayern einen Umsatz von rund 21 Milliarden Euro. Insbesondere das Chemiedreieck in Südostoberbayern zählt zu den industriellen Kernregionen Deutschlands. An vielen Standorten geraten Unternehmen zunehmend unter Druck – durch international nicht wettbewerbsfähige Energiekosten, steigenden Importdruck, neue Zölle, hohe Arbeitskosten, wachsende Bürokratie und eine schwache Nachfrage im In- und Ausland.
Die Belastungen aus dem Tarifabschluss von 2024 wirken bis heute nach. Mitten in der Krise wurden die Entgelte um insgesamt 6,85% angehoben. Dieser Kostenschub, mit dem die Arbeitgeber bei der letzten Tarifrunde in Vorleistung gegangen sind, schränkt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vieler bayerischer Betriebe inzwischen spürbar ein. Gleichzeitig fehlt es an Wachstum und an einem Aufschwung, der zusätzlichen finanziellen Spielraum eröffnen würde. In dieser Situation kann die Inflationsrate aus Sicht der Unternehmen kein Maßstab für die Tarifpolitik sein – entscheidend ist die reale wirtschaftliche Lage in den Betrieben.
„Gerade in Bayern, wo wir mit 500 Betrieben und rund 90.000 Beschäftigten ein zentrales Rückgrat unseres Industriestandorts stellen, brauchen wir jetzt eine tarifpolitische Atempause“, erklärt Dr. Markus Born, Verhandlungsführer der bayerischen Chemie-Arbeitgeber. „Es gibt derzeit kein Wachstum, keinen Aufschwung und damit keinen Verteilungsspielraum. Produktivität statt weiterer Kostensteigerungen muss jetzt im Mittelpunkt stehen, sonst gefährden wir Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung gleichermaßen.“
Die bayerischen Chemie-Arbeitgeber sehen sich weiterhin in der Verantwortung, Beschäftigung zu sichern. Doch ohne eine spürbare Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen – und ohne tarifliche Zurückhaltung – geraten Investitionen und Arbeitsplätze zunehmend unter Druck. Eine Tarifpolitik, die zusätzliche Belastungen vermeidet und den Betrieben Planbarkeit und Zeit zur Stabilisierung gibt, ist aus Sicht der Unternehmen daher unerlässlich.
Die Tarifverhandlungen für die chemisch-pharmazeutische Industrie werden in den kommenden Tagen auf regionaler Ebene fortgesetzt. Ab dem 3. Februar 2026 sollen die Gespräche auf Bundesebene weitergeführt werden. Der derzeitige Tarifvertrag läuft am 28. Februar 2026 aus. Für die bayerische Chemiebranche steht dabei viel auf dem Spiel: Es geht um nichts weniger als die Zukunft eines industriellen Schlüsselstandorts.
Hintergrundinformation
In Bayern sind im Verein der Bayerischen Chemischen Industrie e.V. (VBCI) rund 210 Unternehmen mit über 90.000 Beschäftigten repräsentiert.
Der VBCI vertritt die tarif- und sozialpolitischen Interessen seiner Mitglieder gegenüber Gewerkschaft, Politik und Öffentlichkeit.
Weitere Informationen zum Verein der Bayerischen Chemischen Industrie e.V. (VBCI) finden Sie unter https://www.bayerische-chemieverbaende.de/
Bildquelle: Verein der Bayerischen Chemischen Industrie e.V. (VBCI)
