Den Wissensvorsprung ausbauen

20.03.2013
Die deutsche Chemie ist stark – und wird sich an veränderte globale Rahmenbedingungen künftig besonders durch eine stärkere Fokussierung auf Fein- und Spezialchemikalien anpassen. Diese Strategie erfordert noch größere Anstrengungen in Forschung und Entwicklung. Dazu braucht Deutschland eine langfristig ausgerichtete Industriepolitik, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit im Blick behält.

Deutschland ist einer der bedeutendsten Chemiestandorte weltweit. Nur in wenigen anderen Ländern investiert die Branche mehr in die Forschung, erneuert ihre Produktionsbasis schneller oder erzielt mehr Umsatz. Die Voraussetzungen, weiter wirtschaftlich erfolgreich zu sein, sind gut: Die Kunden im Inland ordern wieder mehr Chemikalien, das Europageschäft befindet sich im leichten Aufwärtstrend. Und besonders von der Nachfrage aus Übersee sollten die Unternehmen in den kommenden Monaten beim Export profitieren.

Vieles spricht dafür, dass Deutschland auch mittelfristig ein starker Chemiestandort bleibt. Der internationale Wettbewerb wird zwar in den kommenden 20 Jahren zunehmen und das industrielle Wachstum wird sich noch stärker nach Asien verschieben. Dennoch ist für die deutsche Chemie bis 2030 ein Produktionsplus von rund 40 Prozent möglich.

Dies erfordert jedoch die weitere Anpassung an veränderte globale Rahmenbedingungen. Ein Mittel der Wahl ist die stärkere Konzentration auf Fein- und Spezialchemikalien. Schon heute macht diese Produktgruppe 43 Prozent der deutschen Chemieproduktion aus – Tendenz steigend.

Der Bedarf an chemischen Hochtechnologie-Produkten für den Einsatz in der Energie- und Informationstechnik, der Elektronik oder im Fahrzeugbau wird weltweit steigen. Die Chemie als Innovationsmotor und starker Eckpfeiler der deutschen Industrielandschaft ist hier in einer hervorragenden Ausgangsposition. Diese gilt es auszubauen – durch noch größere Anstrengungen in Forschung und Entwicklung.

Andere Hebel, um auch künftig global wettbewerbsfähig zu bleiben, sind die Erhöhung der Ressourceneffizienz und der Produktivität. Bis 2030 kann die deutsche Chemie – so die Analyse der VCI-Prognos-Studie – die Energieeffizienz je Produkteinheit um 30 Prozent steigern und die Wertschöpfung je Mitarbeiter um 60 Prozent anheben.

Auch die Politik hat großen Einfluss darauf, ob Wachstum, Stagnation oder Niedergang am Horizont auszumachen sind. Die industriepolitischen Rahmenbedingungen flankieren den Weg dahin. Unser Land braucht mehr denn je eine langfristig ausgerichtete Industriepolitik, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit im Blick behält. Es gilt, auch in Zukunft Wertschöpfungsketten zu erhalten und unseren Wissensvorsprung bei hochwertigen Produkten auszubauen.

Quelle: VCI
www.vci.de