Chemie-Tarifrunde 2015: Es muss Schluss sein mit überzogenen Lohnerwartungen

Erste Verhandlungsrunde in Bayern bringt keine Einigung

 

München, 04.02.2015 - Nach einer rund zweistündigen Wirtschaftsdebatte wurde heute die erste regionale Verhandlung der Tarifrunde 2015 für die ca. 80.000 Beschäftigten der chemischen Industrie in Bayern ergebnislos vertagt. Zu weit klaffen die Vorstellungen der beiden Tarifparteien auseinander.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) fordert eine Tariferhöhung von 4,8 %, eine Entgelterhöhung von 60 Euro für jeden Azubi, bessere Rahmenbedingungen für gute und gesunde Arbeit und eine Weiterentwicklung lebensphasenorientierter Arbeitszeitmodelle. Der Arbeitgeberverband der bayerischen chemischen Industrie (VBCI) weist die Lohnforderung als unrealistisch und überzogen zurück. Die Abschlüsse der letzten Jahre waren immer wieder von der Hoffnung und Erwartung getragen, dass die teilweise euphorischen Prognosen hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung endlich Realität werden. Ständig jedoch folgten den Prognosen zu Jahresbeginn laufende Korrekturen nach unten.

Dazu VBCI-Verhandlungsführer und Hauptgeschäftsführer Walter Vogg: „Wir werden nicht noch einmal sehenden Auges in die „Prognosefalle“ tappen. Wir müssen weg von Abschlüssen, die sich im Wesentlichen auf positive Prognosen gestützt und sich dann zum wiederholten Male als zu teuer erwiesen haben. Den Mentalitätswandel, der mit dem Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ eingeleitet wurde, wollen wir fortsetzen. Flächendeckende Frühverrentungsmodelle lehnen wir dabei aber ab.“

Die Chemie-Tarifrunde 2015 darf aus Sicht der Arbeitgeber die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht aufs Spiel setzen. Daher bauen sie darauf, dass es in dieser Tarifrunde gelingt, gemeinsam, zu einer moderaten Tarifpolitik mit verkraftbaren Abschlüssen für alle Mitgliedsunternehmen in der Fläche zurückzukehren.
Schwaches Wachstum, eine seit Jahren sinkende Produktivität und nahezu Null-Inflation passen ihrer Meinung nach nicht zu einer Forderung von 4,8 %! Die Arbeitgeber sehen daher keinen Raum gegeben, um auch nur annähernd an die Tarifabschlüsse der letzten Jahre anzuknüpfen.

Walter Vogg: „Der entstandene Abstand zwischen Produktivität und Entgelt hat die Lohnstückkosten in die Höhe getrieben und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des Chemie-Standorts angegriffen. Die Schere zwischen Lohnstückkosten und Produktivität hat sich innerhalb weniger Jahre immer weiter geöffnet. Inzwischen klafft hier eine Lücke von fast 25 %! Notwendig ist deshalb die Rückkehr zu einer streng produktivitätsbezogenen Tarifpolitik.“