
VCI-Politikbrief „Schluss mit Schneckentempo“
16. März 2026Tarifrunde #Chemie26: Chemie-Tarifabschluss steht
Sozialpartner stärken Wettbewerbsfähigkeit
Gewerkschaft und Arbeitgeber haben sich auf einen Tarifabschluss für die 585.000 Beschäftigten in den 1.700 Betrieben der Chemie- und Pharmabranche verständigt: Von März bis Dezember 2026 werden die Tarifentgelte unverändert fortgeschrieben. Ab Januar 2027 haben IGBCE und BAVC eine Entgeltsteigerung um 2,1 Prozent vereinbart, ab Januar 2028 um 2,4 Prozent. Der Tarifabschluss hat eine Laufzeit von 27 Monaten bis Ende Mai 2028 und umfasst weitere Maßnahmen der Sozialpartner zur Stabilisierung der krisengeschüttelten Chemie-Industrie. So wird der Demografie-Tarifvertrag weiterentwickelt zu einem Transformations-Tarifvertrag.
BAVC-Präsidentin Scharpwinkel: „Planungssicherheit und Orientierung in der Krise“
„Der Tarifabschluss zeigt, dass wir in einer schwierigen Situation gemeinsam Verantwortung übernehmen“, kommentiert BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel. „Die Einigung spiegelt die Krise der Branche wider. Zugleich gibt sie Planungssicherheit und Orientierung. Mit dem Weg zur Einigung wie auch mit dem Ergebnis zeigen wir, dass Sozialpartnerschaft einen Unterschied macht. Beiden Seiten ist bewusst, wie groß die Herausforderungen sind. Und beide Seiten wollen anpacken, damit wir Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Das ist ein wichtiger Beitrag der Sozialpartner, mit dem wir Perspektiven für Standort und Beschäftigung verbessern.“
Arbeitgeber-Verhandlungsführer Bürk: „Dringende Entlastung für die Unternehmen“
„Dieser Tarifabschluss bringt den Unternehmen die dringend benötigte Entlastung“, unterstreicht BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk. „Dauerhaft mehr zahlen die Arbeitgeber erst ab 2027 – und das zu krisengerechten Konditionen. Die lange Laufzeit gibt den Unternehmen ein hohes Maß an Planungssicherheit. Zugleich betreten wir tarifpolitisches Neuland mit unserem Transformations-Tarifvertrag. Auf betrieblicher Ebene bündeln wir Ressourcen für den Umbruch – zielgenau, praxisnah und sozialpartnerschaftlich. Wir helfen da, wo es nötig ist, und investieren gemeinsam in die Zukunft unserer Branche.“
Entgelt: 2,1 Prozent ab 1.1.2027, 2,4 Prozent ab 1.1.2028 / Laufzeit 27 Monate
Von März bis Dezember 2026 werden die Tarifentgelte unverändert fortgeschrieben. Ab 1. Januar 2027 erhalten die Beschäftigten eine Entgelterhöhung von 2,1 Prozent. In einer zweiten Stufe werden die Entgelte ab 1. Januar 2028 um 2,4 Prozent erhöht. Die Ausbildungsvergütungen steigen entsprechend. Die Gesamtlaufzeit beträgt 27 Monate bis Ende Mai 2028.
Unternehmen, die nicht wesentlich von der Krise betroffen sind, können eine oder beide Stufen der Tariferhöhung um 3 Monate vorziehen. In diesem Fall beraten zunächst die Betriebsparteien über die Nutzung dieser Option. Die abschließende Entscheidung trifft der Arbeitgeber.
Tarifvertrag neu ausgerichtet auf Herausforderungen der Transformation
Zur Unterstützung von Unternehmen und Beschäftigten im Strukturwandel entwickeln IGBCE und BAVC den bestehenden Demografie-Tarifvertrag weiter. Zentrale Neuerung: Die Mittel des betrieblichen Demografiefonds können ab sofort auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung eingesetzt werden. In Frage kommen etwa Investitionen in Weiterbildung, in Ausbildungskapazitäten oder in persönliches Coaching. Die Verwendung der Mittel erfolgt zielgenau ausgerichtet am Bedarf im Betrieb.
Für die Jahre 2026 und 2027 zahlen die Arbeitgeber einen zusätzlichen Betrag in Höhe von 300 Euro pro Kopf und Jahr in den betrieblichen Fonds ein (für Auszubildende 150 Euro pro Kopf und Jahr). Der Arbeitgeber kann entscheiden, den Betrag auszuzahlen oder für andere Zwecke des Tarifvertrags zur Verfügung zu stellen. Zudem können die Beträge für 2026 und 2027 in einem Jahr gebündelt werden.
Der kollektive Demografie- und Transformationsfonds begründet keine individuellen Ansprüche einzelner Beschäftigter. Für Vollzeitbeschäftigte zahlen Arbeitgeber bislang 750 Euro jährlich in den Fonds ein, für Teilzeitbeschäftigte anteilig. Arbeitgeber und Betriebsrat entscheiden über die Verwendung anhand tariflich vorgegebener Optionen. Bislang werden die Mittel vor allem für die betriebliche Altersversorgung und Langzeitkonten eingesetzt.
Chemie-Sozialpartner investieren gemeinsam in Future Skills und Fachkräfte
Zusätzlich werden IGBCE und BAVC weitere Instrumente finanzieren und ausbauen, die Unternehmen und Beschäftigten im Strukturwandel helfen:
Das in der Branche etablierte Analyse-Tool PYTHIA Chemie wird weiterentwickelt: Es bietet künftig sowohl eine Demografie- als auch eine Qualifikationsanalyse im Unternehmen. Mit dem Tool können Unternehmen die vorhandenen Qualifikationen ihrer Beschäftigten abbilden und den zukünftigen Qualifikationsbedarf ermitteln, insbesondere im Hinblick auf demografiebedingte Fluktuation. Eine regelmäßige Demografie-Analyse ist in der Chemie bereits seit 2008 Bestandteil des Flächentarifs.
Der Future Skills Report Chemie wird aktualisiert und ausgeweitet. Er ermittelt KI-basiert auf Grundlage von Stellenausschreibungen, welche Kompetenzen in der chemisch- pharmazeutischen Industrie künftig benötigt werden, und bietet Unternehmen und Beschäftigten so eine verlässliche Orientierung zu in der Branche gefragten Berufen und Kompetenzen.
Die finanzielle Förderung des bundesweit angebotenen Fachkräfteradars Chemie durch die Sozialpartner wird verlängert und das Angebot ausgebaut. Die Online-Plattform ermöglicht es Fachkräften und Ausbildungsabsolventen, die nicht weiterbeschäftigt werden können, schnell und einfach von anderen Betrieben kontaktiert zu werden, die Personalbedarf haben.
Ist ein Arbeitsplatz vom Strukturwandel betroffen, empfehlen die Chemie-Sozialpartner eine Weiterbildungsberatung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, etwa über das Beratungsangebot der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Sozialpartner unterstützen und informieren bei Bedarf.
Mehr Informationen zur Tarifrunde #Chemie26 unter www.bavc.de/tarifrunde
Quelle: BAVC
Bildquelle-Titel und Grafik: BAVC


