Chemie-Tarifrunde 2016: Erste Verhandlungsrunde ergebnislos

Heute hat in München die regionale Verhandlung der Tarifrunde 2016 für die chemische Industrie in Bayern stattgefunden. Nach einer rund zweistündigen Wirtschaftsdebatte wurde die Tarifverhandlung ergebnislos vertagt.

 

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) fordert 5 Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütung. Hinzu kommt der Wunsch nach einer Weiterentwicklung des Tarifvertrages „Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg“.

IG BCE-Verhandlungsführer und Landesbezirksleiter Seppel Kraus begründete die Forderung der IG BCE mit der allgemein guten wirtschaftlichen Situation in Deutschland. Die Unternehmen profitierten von positiven Effekten aus niedrigen Energiepreisen, einem schwachen Euro sowie günstigen Krediten. Die Erfolge der Unternehmen seien an die Mitarbeiter weiterzugeben, denn unternehmerischer Erfolg basiere auf motivierten und gut ausgebildeten Mitarbeitern.

Verbunden mit dem Hinweis auf steigende Dividenden für die Aktionäre rückte Seppel Kraus unter dem Motto „Deine Arbeit ist MehrWert“ Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und der Wertschätzung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Vordergrund: „Für die chemische Industrie in Bayern ist das Jahr 2015 insgesamt ganz ordentlich gelaufen. 2016 ist ebenfalls ein Wachstum prognostiziert. Daran wollen die Beschäftigten beteiligt werden.“

 

VBCI-Verhandlungsführer und Hauptgeschäftsführer Walter Vogg betonte: „Lohnsteigerungen müssen sich an der wirtschaftlichen Realität orientieren. Die Forderung der IG BCE nach einer Lohnerhöhung von 5 Prozent wird dieser Realität aber nicht gerecht. Unsere Branche erwartet auch für 2016 kaum mehr als Stagnation bei der Produktion und einen weiteren Rückgang beim Umsatz. Zudem sind seit 2010 die Chemie-Tariflöhne um 15 Prozent gestiegen. Die Produktivität hingegen nahm im gleichen Zeitraum um 4 Prozent ab. Nachholbedarf gibt es daher eigentlich nur bei der Produktivität.“

In dieser Situation ist es aus Sicht der Arbeitgeber daher wichtig, keine falschen Erwartungen zu wecken. Um auch in Zukunft wettbewerbsfähige, und damit sichere Arbeitsplätze bieten zu können, sei ein Tarifabschluss mit Augenmaß erforderlich. Große Sprünge beim Entgelt seien nicht möglich. Zudem gelte es zu beachten, dass bei der derzeitigen Niedriginflationsrate selbst moderate Entgelterhöhungen zu einem spürbaren Plus bei den Reallöhnen führen würden.

 

Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ soll weiterentwickelt werden

Neben der Entwicklung der Tarifentgelte war Ausbildung ein Thema in der heutigen Wirtschaftsdebatte zur Tarifrunde 2016. Hier waren sich die Tarifpartner einig, die bisherige Erfolgsgeschichte des Tarifvertrages „Zukunft durch Ausbildung“ fortzuschreiben und weiter zu entwickeln.

Die sehr fair und in sachlicher Atmosphäre geführte Wirtschaftsdebatte wurde ohne Ergebnis vertagt. Die Verhandlungen werden am 14. Juni 2016 auf Bundesebene in Hannover fortgesetzt.