
Tarifrunde #Chemie26: Chemie-Tarifabschluss steht
25. März 2026Nationale Chemieagenda vorgelegt
26. März 2026 | Pressemitteilung
Die Bundesregierung legt ein Maßnahmenpaket vor, das die Chemieindustrie kurzfristig entlasten und langfristig stärken soll.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bundesumweltminister Carsten Schneider haben am 26.3. gemeinsam mit dem Präsidenten des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Markus Steilemann, sowie dem Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, die Ergebnisse der nationalen Chemieagenda vorgestellt.
Der Prozess zur Chemieagenda wurde am 11. Dezember 2025 gestartet. In einem intensiven Arbeitsprozess waren neben den Ressorts der Bundesregierung auch Länder, Unternehmen, Start-ups sowie der VCI und die IG BCE eingebunden. Das nun vorgelegte Maßnahmenpapier ist das Ergebnis dieses breiten Dialogs. Angesichts der angespannten Lage der Branche wird die Umsetzung der Maßnahmen in einem strukturierten Follow-up-Prozess weiter begleitet.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche: „Die Zukunft des Chemiestandorts Deutschland entscheidet sich jetzt. Die Branche steht am Anfang unserer industriellen Wertschöpfung und ist zugleich besonders unter Druck. Der größte Wettbewerbsnachteil sind derzeit die Energiepreise. Wenn wir hier nicht gegensteuern, verlieren wir Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Deshalb handeln wir jetzt mit gezielten Entlastungen bei den Stromkosten und klaren Reformimpulsen in Europa.“
Bundesumweltminister Carsten Schneider: „Die Chemieindustrie ist ein für Deutschland unverzichtbarer Innovationsmotor. Damit die Branche stark bleiben kann, müssen die Energiekosten runter. Darum weiten wir die Strompreiskompensation deutlich aus, und zwar rückwirkend für 2025. In diesem Rahmen unterstützen wir speziell die Chemieparks. Außerdem habe ich mich in Brüssel für branchenspezifische Belange bei der Zuteilung kostenloser Emissionsrechte eingesetzt. Es darf nicht bei kurzfristigen Entlastungen bleiben. Weiteres industriepolitisches Engagement ist nötig, gerade mit Blick auf die Chemie-Standorte in Ostdeutschland.“
VCI Präsident Dr. Markus Steilemann: „Die Bundesregierung hat einen wichtigen Prozess angestoßen. Der Befund stimmt – aber dabei darf es nicht bleiben. Entscheidend ist, dass schnell spürbare Entlastungen folgen. Was noch fehlt, ist Tempo und der klare Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit. Energiekosten müssen sinken. Bürokratie muss abgebaut werden. Wir wollen die Chemieagenda gemeinsam mit der Regierung weiterentwickeln. Eingebettet in notwendige Wirtschafts- und Sozial-Reformen muss daraus ein wuchtiges Paket für Chemie, Pharma und Biotechnologie werden.“
IG-BCE Vorsitzender Michael Vassiliadis: „Wir begrüßen, dass viele unserer langjährigen Forderungen Eingang in die Chemieagenda 2045 gefunden haben. Nun müssen den Worten auch zügig Taten folgen, damit die chemische Industrie endlich aus der Krise kommt. Bei der CO₂-Bepreisung brauchen die Unternehmen jetzt dringend eine Verschnaufpause, unter anderem durch das Aussetzen der Benchmark-Verschärfung und den Erhalt der freien Zuteilung auf dem Niveau des Jahres 2025. Im Gegenzug erwarten wir Investitionen in unsere Standorte und die Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland.
Wir brauchen eine aktive und aktivierende Industriepolitik und eine konzertierte Konsolidierung, um Standorte und der Infrastrukturen entlang der gesamten Wertschöpfungskette langfristig zu stärken – von der Raffinerie über die Steamcracker bis zur Spezialchemie. Den Prozess zur Umsetzung der Chemieagenda 2045 werden wir daher engagiert und konstruktiv begleiten.“
Mit dem Maßnahmenpaket wird ein Auftrag aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt. Vier zentrale Handlungsfelder adressieren kurzfristig die besonders angespannte Lage der Chemieindustrie:
- Senkung der Stromkosten durch einen Industriestrompreis und die Ausweitung der Strompreiskompensation
- Reformen des EU-Emissionshandels (ETS) und des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM)
- Vereinfachungen im EU-Chemikalienrecht, insbesondere bei REACH
- Bürokratiearme Umsetzung der Industrieemissionsrichtlinie (IED)
Darüber hinaus enthält die Chemieagenda Maßnahmen zur Stärkung von Forschung, Innovation und Investitionen. Insbesondere die Verbindung von Biotechnologie und Künstlicher Intelligenz bietet großes Potenzial für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Chemieindustrie.
Die heutige Vorstellung markiert den Beginn der Umsetzungsphase. Zur Begleitung wird das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie einen Staatssekretärs-Steuerungskreis einrichten. Daran beteiligt werden neben den zuständigen Bundesressorts auch Vertreter der Länder, des VCI und der IG BCE.
Die Kernergebnisse der Chemieagenda finden Sie hier: Kernergebnisse Chemieagenda – Zusammenfassung | BMWE
Den Gesamttext Chemieagenda finden Sie hier: Chemieagenda | BMWE
Titelbild: iStock-175729982, eigene Bearbeitung
