
Mitgliederversammlung 2026: #MissionSubstanzerhalt – Bayerische Chemie drängt auf Stärkung der industriellen Basis
24. Juli 2026Mitgliederversammlung 2026: Zeit für die #MissionSubstanzerhalt
Industrielle Stärke ist keine Selbstverständlichkeit
Wie kann die industrielle Basis Deutschlands gesichert und gestärkt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des öffentlichen Teils der Mitgliederversammlung 2026 der Bayerischen Chemieverbände in Garching. Unter dem Leitmotiv #MissionSubstanzerhalt diskutierten Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die Zukunft des Industriestandorts Deutschland und die notwendigen politischen Weichenstellungen.
In seinem Impulsvortrag machte der Vorsitzende der Bayerischen Chemieverbände, Dr. Christian Hartel, deutlich, dass Industrie weit mehr sei als die Summe von Produktionszahlen, Umsätzen oder Exporten. Industrielle Wertschöpfung bilde die Grundlage für Innovationen, Versorgungssicherheit, soziale Sicherungssysteme und gesellschaftliche Stabilität. Gehe industrielle Substanz verloren, seien nicht nur einzelne Unternehmen betroffen, sondern ganze Wertschöpfungsketten und damit die langfristige Handlungsfähigkeit einer Volkswirtschaft.
Die industrielle Basis gerät unter Druck
Aus Sicht der Bayerischen Chemieverbände befindet sich die deutsche Chemieindustrie weiterhin in einer schweren Strukturkrise. Nach dem massiven Produktionseinbruch infolge der Energiekrise liegt die Chemieproduktion noch immer auf dem Niveau der frühen 1990er Jahre. Gleichzeitig belasten hohe Energiepreise, steigende Regulierung, wachsende Arbeitskosten und zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck die Unternehmen. Auch die pharmazeutische Industrie gerät zunehmend unter Druck. Gesundheitspolitische Belastungen, zusätzliche Finanzierungsbeiträge zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung sowie steigende regulatorische Anforderungen verschlechtern die Rahmenbedingungen für Forschung, Entwicklung und Produktion und gefährden die Attraktivität Deutschlands als Pharma- und Innovationsstandort.
Die Verbände warnten zugleich davor, diese Entwicklung als reines Branchenproblem zu betrachten. Die Chemie sei als Grundstoffindustrie eng mit nahezu allen industriellen Wertschöpfungsketten verbunden – von der Automobilindustrie über den Maschinenbau bis hin zur Pharma-, Bau- und Energiewirtschaft. Die Schwäche industrieller Leitbranchen bleibe daher nicht auf einzelne Branchen begrenzt, sondern belaste zunehmend auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands.
Wettbewerbsfähigkeit wieder zur Priorität machen
Handlungsbedarf sehen die Bayerischen Chemieverbände insbesondere in der Energiepolitik, bei der Regulierung sowie bei den Sozial- und Abgabensystemen.
Wettbewerbsfähige Energiepreise seien eine Grundvoraussetzung für Investitionen und industrielle Erneuerung. Gleichzeitig brauche es eine Reform des europäischen Emissionshandels, die internationale Wettbewerbsfähigkeit stärker berücksichtigt und Investitionen ermöglicht statt erschwert.
Auch die hohe Regulierungsdichte stand in der Kritik. Immer neue Berichtspflichten, zusätzliche Vorgaben und langwierige Verfahren erschwerten Investitionen. Gleichzeitig gerieten Praxistauglichkeit, Verhältnismäßigkeit und die praktische Umsetzbarkeit vieler Anforderungen zunehmend aus dem Blick. Industrielle Erneuerung lasse sich nicht über steigende Kosten und zusätzliche Regulierung erzwingen, sondern brauche wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und einen tragfähigen Business Case für Investitionen und Innovationen. Erste Entlastungsansätze seien zwar erkennbar, blieben jedoch sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene deutlich hinter dem erforderlichen Reformtempo zurück.
Kritisch bewerteten die Verbände zudem die Entwicklung der Sozialabgaben. Steigende Belastungen des Faktors Arbeit schwächten Beschäftigung, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit. Notwendig seien Reformen, die die langfristige Tragfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme gewährleisten, ohne Arbeit und Wertschöpfung zusätzlich zu belasten. Ziel müsse es sein, die Belastung des Faktors Arbeit wirksam zu begrenzen.
Diskussion mit Politik und Industrie
Im Anschluss an den Impulsvortrag diskutierten Dr. Christian Hartel und Hauptgeschäftsführer Dr. Markus Born gemeinsam mit den Bundestagsabgeordneten Dr. Andreas Lenz, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sowie Christian Moser, umweltpolitischer Sprecher der CSU im Deutschen Bundestag, über die Zukunft des Industriestandorts Deutschland. Moderiert wurde die Diskussion von Isabell Werdin.
Im Mittelpunkt standen Fragen wettbewerbsfähiger Energiepreise, der industriellen Erneuerung, des Bürokratierückbaus sowie der langfristigen Sicherung von Investitionen und Beschäftigung in Deutschland. Einigkeit bestand darüber, dass die industrielle Wettbewerbsfähigkeit wieder stärker zum Maßstab wirtschaftspolitischer Entscheidungen werden müsse.
#MissionSubstanzerhalt als Zukunftsauftrag
Die zentrale Botschaft der Veranstaltung war eindeutig: Industrielle Stärke ist keine Selbstverständlichkeit. Ihr Erhalt und ihre Erneuerung erfordern klare politische Entscheidungen.
Mit der #MissionSubstanzerhalt wollen die Bayerischen Chemieverbände die Bedeutung industrieller Substanz für Wohlstand, Innovation, Versorgungssicherheit und gesellschaftliche Stabilität stärker in den Fokus rücken. Die Mission versteht sich als Aufruf, die industrielle Basis Deutschlands wieder stärker in den Mittelpunkt wirtschaftspolitischer Entscheidungen zu rücken. Denn wenn Fehlentwicklungen das Ergebnis politischer Entscheidungen sein können, gilt das ebenso für Erneuerung, Wachstum und industrielle Stärke. Auch Erneuerung ist eine Entscheidung.
Alle Bilder: Bayerische Chemieverbände








