Nachhaltigkeit
Als „Industrie der Industrie“ gehört die Chemie zu den Schlüsselindustrien in Deutschland und der Welt. Die Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie liefert innovative Produkte und Lösungen als Vorleistung für wichtige Wirtschaftszweige wie den Fahrzeug- und Maschinenbau, das Gesundheitswesen, die Elektrotechnik, den Bausektor oder die Landwirtschaft. Sie ist unverzichtbar, wenn es darum geht, die Herausforderungen der Zukunft in den Bereichen Gesundheit, Energieversorgung, Klimaschutz, Mobilität und demografischer Wandel zu lösen. Und sie ist unverzichtbar als ein wichtiges Schlüsselelement im gesamten Industrienetzwerk und den damit verknüpften Wertschöpfungsketten – von der Großindustrie bis zum Mittelstand und Handwerk. Die Chemie leistet damit einen wesentlichen Beitrag für sichere Arbeitsplätze, zum Wohlstand und sozialen Frieden Deutschlands. Der Schutz von Mensch und Umwelt sowie der Einsatz für gute und faire Arbeitsbedingungen sind Grundprinzipien ihres Handelns.

Bereits 1991 hat sich der Verband der Chemischen Industrie, VCI, der Initiative Responsible Care (RC) verpflichtet. RC ist eine weltweite Initiative zum Schutz der Umwelt über gesetzliche Vorgaben hinaus.  Die Basis ist die Unterzeichnung der „Global Charter“ des Weltchemieverbands ICCA. Diese internationale Ethik-Leitlinie für Unternehmen wurde 2006 erstmals durch den ICCA erarbeitet und vom VCI unterzeichnet. Seit 2015 ist eine aktualisierte Charta in Kraft, der sich die VCI-Mitgliedsunternehmen weiterhin verpflichten. Seit 2020 gibt es eine zweite ICCA Charta für Verbände. Sie wurde im Februar 2020 vom VCI unterzeichnet.
RC bezieht sich in der Unternehmenspraxis auf sechs Handlungsfelder:
Produktverantwortung: Alle Informationen, die zur Beurteilung eines Produktes hinsichtlich seiner Wirkungen auf die Gesundheit, Umwelt und Sicherheit notwendig sind, werden ermittelt. Die Vermarktung von Produkten wird eingeschränkt oder gar deren Produktion ganz eingestellt, falls nach den Ergebnissen einer Risikobewertung die Vorsorge zum Schutz vor Gefahren für Gesundheit und Umwelt dies erfordert.

Arbeitssicherheit/Gesundheitsschutz und Anlagensicherheit/Gefahrenabwehr: Das Sicherheitsniveau der Produktionsprozesse und die Arbeitssicherheit werden ständig weiterentwickelt.

Transportsicherheit: Durch das stetige Verbessern bestehender und das Entwickeln neuer Verfahren und Techniken für Transport, Umschlag oder Lagerung soll das Transportrisiko ständig verringert werden.

Dialog: Der Dialog ist ein wichtiges Instrument für die Schaffung von Vertrauen und Akzeptanz. Dialog im Sinne von Responsible Care bedeutet, Meinungen und Wünsche von Mitarbeitern, Kunden und der Öffentlichkeit aktiv aufzunehmen und so weit wie möglich in die Unternehmensziele zu integrieren.

Für den VCI ergeben sich Berichtspflichten aus den deutschen und internationalen RC-Leitlinien und -Vorgaben. Der Verband führt daher jährlich eine Datenumfrage durch, die auf Grundlage der deutschen und internationalen Key-Performance-Indikatoren (KPI) für Responsible Care (RC) des Weltchemieverbandes ICCA beruht.

Die Datenerhebung und die Berichterstattung des VCI orientieren sich an den Kriterien der „Global Reporting Initiative” (GRI): Ausgewogenheit, Vergleichbarkeit, Genauigkeit, Aktualität, Klarheit und Verlässlichkeit.

Jeder aus dieser Datenerhebung resultierende und jährlich veröffentlichte RC-Bericht wird einer betriebswirtschaftlichen Prüfung zur Erlangung einer gewissen Sicherheit hinsichtlich der Verfahren und Maßnahmen seiner Erstellung unterzogen.

Links zu den RC-Berichten:

Responsible-Care-Bericht 2019
Responsible-Care-Bericht 2018
Responsible-Care-Bericht 2017
Responsible-Care-Bericht 2016
Responsible-Care-Bericht 2015

Um die praktische Umsetzung von Umweltschutz in den Unternehmen in den Fokus zu rücken, schreibt der VCI jährlich einen Wettbewerb zu einem festgelegten Thema innerhalb der RC-Leitlinien aus: Den Responsible-Care-Wettbewerb.

Der RC-Wettbewerb läuft in zwei Runden. In Runde eins schreiben die Landesverbände den Wettbewerb aus. Eine unabhängige Fachjury kürt den Landesieger sowie das „Beste Projekt aus dem Mittelstand“. Alle Landessieger und Mittelstandssieger der Länder gehen in der zweiten Runde bundesweit gegeneinander an den Start. Bayerische Unternehmen schnitten regelmäßig sehr gut ab.
Der RC-Wettbewerb des VCI-Landesverbands Bayern 2015-2020 im Überblick:
2015:  „Wir haben gute Ideen für Transportsicherheit und nachhaltige Logistik“

Teilnehmer: 4 Firmen, 4 Projekte
Sieger: Wacker Chemie AG (Burghausen)
Mittelstandspreis: Delo Industrie Klebstoffe GmbH & Co. KGaA (Windach)
Platzierungen im Bund: Delo 2. Platz und Mittelstandssieger, Wacker 3. Platz

2016:  „25 Jahre Responsible Care – Unser bestes Projekt“

Teilnehmer: 7 Firmen, 7 Projekte
Sieger: Roche Diagnostics GmbH (Penzberg)
Mittelstandspreis: Rudolf GmbH (Geretsried)
Platzierungen im Bund: Rudolf GmbH Sieger im Themenbereich Umweltschutz

2017:  „Wir haben gute Ideen zur Kreislaufwirt­schaft“

Teilnehmer: 7 Firmen, 7 Projekte
Sieger: 3M Deutschland GmbH (Werk Dyneon GmbH, Burgkirchen)
Mittelstandspreis: Mainsite GmbH & Co. KG (Obernburg)
Platzierungen im Bund: Sieger und Mittelstandspreis
Link zum Faltblatt 2017 mit ausführlichen Beschreibungen

2018: „Unser Beitrag zu den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung“ 

Teilnehmer: 6 Firmen, 9 Projekte
Sieger: Roche Diagnostics GmbH (Penzberg) und Wacker Chemie AG Burghausen)
Mittelstandspreis: Rudolf GmbH (Geretsried)
Link zum Faltblatt 2018 mit ausführlichen Beschreibungen

2019: „Unser Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Lieferkette“

Teilnehmer: 8 Firmen, 9 Projekte
Sieger und Mittelstandspreis: Epple Druckfarben AG (Neusäß)
Platzierungen im Bund: Platz 2
Link zum Faltblatt 2019 mit ausführlichen Beschreibungen

2020: „Nachhaltiger Umgang mit Wasser“

Teilnehmer: 4 Firmen, 4 Projekte
Sieger und Mittelstandspreis: SystemKosmetik GmbH (Münster am Lech)
Platzierung im Bund: Mittelstandspreis
Link zum Faltblatt 2020 mit ausführlichen Beschreibungen
Videos zu den bundesweiten Siegerprojekten des Responsible-Care-Wettbewerbs 2011 bis 2019

RC ist ein Beitrag zur umfassenden Nachhaltigkeitsinitiative der Chemieindustrie in Deutschland. Gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband BAVC und der Gewerkschaft IGBCE hat der VCI 2013 die Initiative Chemie3 begründet.

Link zum Chemie3-Flyer

Chemie3 verankert Nachhaltigkeit als Leitbild in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. „Hoch 3“ steht dabei gleichermaßen für drei gleichberechtigt beteiligte Allianzpartner (VCI, BAVC und IGBCE) und für die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, die in ausgewogenem Maße Beachtung finden sollen: Ökologie, Ökonomie und Soziales.

In Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wird der Begriff „Nachhaltigkeit“ wie kaum ein anderer unterschiedlich verwendet und gedeutet. Vor allem in der öffentlichen Diskussion wird Nachhaltigkeit meist mit „grün“ gleichgesetzt und nur als ökologisches Thema interpretiert und wahrgenommen. Es geht hier jedoch um viel mehr.
Nachhaltigkeit erfordert einen umfassenderen Ansatz der alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigt – Ökonomie, Ökologie und Soziales.
Wenn es gelingt, auch in einen nachhaltigen Dialog mit denjenigen zu treten, die unserer Branche immer noch kritisch gegenüberstehen, dann besteht auch die Chance, Themen wie Gen- oder Nanotechnologie weniger emotional und stattdessen sach- und lösungsorientierter zu diskutieren. Denn bei diesen neuen Technologien geht es nicht nur um einzelne Produkte. Es geht um die technologischen Grundlagen für die nächsten Jahrzehnte.

Dazu hat Chemie3 zwölf „Leitlinien zur Nachhaltigkeit für die chemische Industrie in Deutschland“ erarbeitet und unterstützt ihre Mitglieder bei deren Anwendung im Unternehmensalltag.

In Webinaren der 2018 gestarteten Reihe „Nachhaltigkeit in der Unternehmenspraxis“ erläutern Experten und Praktiker Beispiele nachhaltigen Wirtschaftens.

Link zur Chemie3-Webinarreihe

Chemie3-Fachveranstaltungen dienen zur Information über verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit und zum Austausch der Unternehmen untereinander.

Die Chemie3-Leitfäden zu „Nachhaltigem Lieferkettenmanagement“ „Nachhaltigkeitsberichterstattung“ bieten den Unternehmen Anleitungen für die Umsetzung dieser Themen in die Praxis.

Den Chemie3-Nachhaltigkeits-Check können Unternehmen anwenden, die Nachhaltigkeit systematisch angehen und prüfen wollen, in welchen wichtigen Handlungsfeldern sie sich verbessern können.

Chemie3 ist 2013 mit der Verabschiedung von fünf Etappenzielen bis 2017 gestartet. Im Frühjahr 2017 zogen die Allianzpartner im Rahmen einer Strategie-Tagung Zwischenbilanz und stellten die Weichen für die strategische Weiterentwicklung von Chemie3. Um Nachhaltigkeit messbar zu machen, hat Chemie3 40 Indikatoren festgelegt, deren Entwicklung kontinuierlich verfolgt wird. Die erste Datenerhebung dieser 40 Indikatoren führte zur „Nulllinie“, die im Chemie3 Nachhaltigkeitsbericht 2018 veröffentlicht wurde.

Link zum Chemie3-Nachhaltigkeitsbericht

Die Initiativen sollen auch in Zukunft als zentrale Plattformen dazu dienen, das Leitbild der Nachhaltigkeit innerhalb der chemisch-pharmazeutischen Industrie zu verankern, weiter zu stärken sowie durch konkrete Projekte mit Leben zu füllen.

Weitere Positionen zur Nachhaltigkeit:
Nachhaltigkeit: BAVC-Position_Nachhaltigkeit
Chemie hoch 3: Branchenbericht; Leitlinien
Nanomaterialien: VCI-Position zu Nanomaterialien
Klimaschutz: VCI Position zum Klimaschutz; VCI Position zum Emissionshandel
Energiewende: VCI Position Energiewende umgestalten

Zulassung unter REACH – Ein Verfahren mit unterschätzten Auswirkungen

Das Zulassungsverfahren wurde durch die REACH-Verordnung als zusätzliches wesentliches Instrument zur Regulierung von Stoffen eingeführt. Erste Erfahrungen zeigen, dass bei den Prozessen Verbesserungsbedarf besteht. Die möglichen ökonomischen Auswirkungen des Verfahrens sind noch weitestgehend unklar. Bei der Registrierung haben Behörden und Industrie im Wesentlichen ein gemeinsames Verständnis von REACH entwickelt. Für Stoffbewertung...
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“Wir werden die Klimagase um 45 Prozent verringern“

Dr. Rudolf Staudigl im Gespräch mit bdw-Chefredakteur Wolfgang Hess Die chemische Industrie war und ist Vorreiter in Fragen der CO2-Reduktion und der Energieeffizienz, so Dr. Rudolf Staudigl, Vorsitzender der Bayerischen Chemieverbände, im Interview mit dem Magazin „bild der wissenschaft“. Bereits 1996 habe man sich zu einer CO2-Reduktion von 30 Prozent bis 2005 verpflichtet und bis heute...
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