
Verkehrspolitik: Infrastruktur als Basis einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft
Eine leistungsfähige Infrastruktur ist essenziell für den Erfolg einer Industrienation wie Deutschland. Während der Ausbau der digitalen Infrastruktur bereits voranschreitet, wird die Verkehrsinfrastruktur zunehmend zu einem kritischen Faktor. Marode Brücken, überlastete Straßen und veraltete Schienenstrecken gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und belasten Umwelt sowie Wirtschaft.
Neben Sanierungsmaßnahmen muss auch die Verkehrsinfrastruktur wichtiger Industriezentren nachhaltig weiterentwickelt werden. Das Bayerische Chemiedreieck ist ein Zentrum für Innovation und Produktion mit einer Exportquote von über 60 % und ca. 4.000 Produkten, für deren Transport eine moderne, leistungsfähige Infrastruktur unerlässlich ist. Sowohl mit Blick auf die Straße als auch insbesondere die Schiene besteht hier erheblicher Aufholbedarf:
- Fertigstellung der A94 mit dem Abschnitt Marktl bis Passau
- Zügiger Ausbau und Elektrifizierung der Bahnanbindung München – Mühldorf – Freilassing / Burghausen
Straßenverkehr: Dringender Handlungsbedarf
Die Sperrung der Leverkusener Rheinbrücke für den Lkw-Verkehr hat exemplarisch gezeigt, wie sehr Infrastrukturmängel den Warenverkehr behindern können. Brücken und Straßen müssen dringend instandgesetzt und erweitert werden, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Die neue Verkehrsprognose 2040 des Bundes rechnet im Güterverkehr (Gesamt-Gütertransportleistung) gegenüber 2019 mit einem Plus von rund einem Drittel – mit weiterhin hoher Bedeutung des Lkw und wachsender Schiene. Das macht zusätzliche Investitionen in die Leistungsfähigkeit und Resilienz des Netzes unabdingbar.
Schienenverkehr: Nachhaltig und effizient
Die Schiene ist besonders für den Transport chemischer Produkte im Bayerischen Chemiedreieck von zentraler Bedeutung. 2021 wurden 7,8 Millionen Tonnen transportiert, davon 3,7 Millionen Tonnen auf der Schiene; Prognosen der Bayerischen Chemieverbände sehen bis 2030 ein Wachstum auf bis zu 8,5 Millionen Tonnen im Schienengüterverkehr.
Die Strecke München – Mühldorf – Freilassing / Burghausen ist jedoch teils eingleisig und nicht elektrifiziert. Der zweigleisige, elektrifizierte Ausbau (ABS 38) ist daher unerlässlich; die Planfeststellung läuft abschnittsweise, eine Gesamtinbetriebnahme wird aktuell mit einem vagen Ziel „Mitte der 2030er Jahre“ angegeben. Hier braucht es aber mehr Tempo und Klarheit für die Industrie. Die Fertigstellung muss bis 2030 ohne Verzögerung erfolgen!
A94: Lückenschluss Marktl–Passau
Für das Exportcluster Chemiedreieck ist ebenso die schnelle Fertigstellung der A94 mit dem Abschnitt Marktl bis Passau entscheidend. Der Abschnitt Marktl–Simbach West befindet sich im Planfeststellungsverfahren; östliche Teilabschnitte Richtung Pocking/A 3 sind im Bau bzw. in Planung, mit aktuell kommunizierten Zieljahren ab 2027, allerdings mit Verzögerungsrisiken.
Brennerbasistunnel (BBT): Chance nutzen, Nadelöhr vermeiden
Der BBT ist mit Stand Ende 2025 zu rund 87 % vorgetrieben; die Eröffnung ist für 2032 avisiert. Beim deutschen Nordzulauf gibt es hingegen Widerstände und Verzögerungen, während Wirtschaft und Infrastrukturakteure vor einem Nadelöhr warnen. Die Anbindung Bayerns an den BBT muss daher Top-Priorität behalten.
Handlungsbedarf und Vision
Deutschland muss seine Verkehrsinfrastruktur modernisieren und weiterentwickeln, um den steigenden Anforderungen einer globalisierten Wirtschaft gerecht zu werden. Der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der ABS 38 wie auch die Anbindung Bayerns an den Brennerbasistunnel sind nicht nur regionale, sondern nationale Prioritäten.
Mit einer klugen Verkehrspolitik kann Deutschland die Weichen für eine nachhaltige, effiziente und zukunftsfähige Infrastruktur stellen – und schafft wichtige Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg von morgen.
Weitere Positionen zur Verkehrspolitik:
Position zur Verkehrsinfrastruktur von ChemDelta Bavaria
