Themen und Positionen Bildungspolitik

Bildungspolitik

 

„Wir müssen immer um so viel besser sein, wie wir teurer sind“ – lautet eine Binsenweisheit im internationalen Wettbewerb.

Für ein „Hochkosten-Land“ wie Deutschland bedeutet dies: wir werden unseren Erfolg im internationalen Wettbewerb und unseren Wohlstand nur erhalten und weiter ausbauen, wenn es uns gelingt, durch Innovationen neue Produkte mit entsprechendem „Mehrwert“ zu entwickeln und damit neue Märkte zu erschließen. Das „Geheimnis“ unseres bisherigen Erfolgs: Deutschland ist ein Industrieland. Die Industrie mit ihren Wertschöpfungsketten ist die wesentliche Basis für Beschäftigung, Wohlstand und sozialen Frieden. Die Industrie kann aber nur mit gut ausgebildeten Wissenschaftlern, Ingenieuren, Technikern und Facharbeitern international wettbewerbsfähig sein. Sie sind der Schlüssel für Innovationen, technischen Fortschritt und effiziente, sichere Produktion. Wichtig ist deshalb eine gute Schulbildung, vor allem in Naturwissenschaften und Mathematik. Sie schafft die Voraussetzung für eine offene Einstellung der Menschen gegenüber Innovationen, weil sie Zugänge zu Wissenschaft und Technik erschließt und dadurch ermöglicht, sich ein rationales Urteil über Chancen und Risiken zu bilden. Und auch die Vermittlung ökonomischer Zusammenhänge gehört zum Bildungsauftrag der Schule, damit die Schüler die Prinzipien unserer Wirtschaftsordnung und damit die Grundlagen unseres wirtschaftlichen Wohlstandes verstehen.

 

Fundament für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Teilhabe

Die Bayerischen Chemieverbände vertreten die Überzeugung, dass ein starker Industriestandort auf einem starken Bildungssystem beruht. Innovation, Wohlstand und Beschäftigung entstehen dort, wo junge Menschen frühzeitig Kompetenzen und Neugier entwickeln – besonders im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Für ein Hochkostenland wie Deutschland ist exzellente Bildung damit keine Ergänzung, sondern eine Grundbedingung für ökonomische Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe.
Internationale Vergleichsdaten unterstreichen diesen Anspruch. Die PISA-Ergebnisse 2022 markieren den tiefsten Stand seit Beginn der Messungen – ein deutliches Signal, das zum Handeln mahnt. Gleichzeitig zeigt der MINT‑Arbeitsmarkt 2025 eine Fachkräftelücke von rund 148.500 Personen, insbesondere in technisch geprägten Zukunftsbranchen. Beide Trends verdeutlichen: Bildung ist der entscheidende Hebel für Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand.


Gut ausgebildete Menschen in Wissenschaft und Industrie sind daher für den Chemiestandort Deutschland unverzichtbar.

Ein Bildungssystem im Wandel: Herausforderungen ernst nehmen

Mehrere Entwicklungen verstärken den Druck auf das Bildungssystem. Deutschland investiert weiterhin weniger in Bildung als vergleichbare OECD‑Länder. Die Lehrkräfteversorgung bleibt angespannt – nicht nur in Bayern, sondern bundesweit. Prognosen der Kultusministerkonferenz zeigen bis mindestens 2035 strukturelle Personalengpässe in vielen Lehrämtern. Bayern begegnet dieser Lage mit einem Maßnahmenpaket zur Nachwuchsgewinnung, zu flexibleren Arbeitsmodellen und zur Stärkung schulischer Eigenverantwortung. Doch der Bedarf bleibt hoch.

Gleichzeitig verändern Digitalisierung und künstliche Intelligenz das Lernen selbst. Die neuen KI‑Leitlinien der KMK und der EU‑AI‑Act geben erstmals einen verlässlichen Rahmen für den verantwortungsvollen Einsatz digitaler Technologien an Schulen – eine Entwicklung, die wir ausdrücklich begrüßen. Sie zeigt: Moderne Bildung braucht moderne Werkzeuge.


MINT als Zukunftsschlüssel: Kompetenzaufbau von Anfang an

Die Stärkung der MINT‑Kompetenzen ist eine zentrale Voraussetzung für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Bayern setzt mit Initiativen wie QuaMath|BY, DELTAplus oder MINT21 wichtige Impulse zur Qualitätssteigerung des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Wir unterstützen diesen Kurs. Insbesondere die Verpflichtung, die Qualität in Mathematik und Naturwissenschaften systematisch zu verbessern, entspricht unseren bildungspolitischen Erwartungen.

Zudem braucht es eine klare bildungspolitische Weichenstellung: Naturwissenschaften dürfen im Abitur nicht weiter an Bedeutung verlieren. Die drastisch gesunkenen Prüfungszahlen in Chemie und Physik beunruhigen uns. Wir sprechen uns daher nachhaltig dafür aus, dass mindestens ein naturwissenschaftliches Fach verpflichtender Bestandteil des Abiturs wird.

Wir wünschen uns daher eine Änderung in den Kriterien zur Abiturfachwahl. Chemie und Physik dürfen nicht in „Konkurrenz“ zu Kunst, Sport oder Musik stehen. In allen Gymnasien, egal welcher Ausrichtung, sollte eine Naturwissenschaft Pflicht im Abitur sein!

Unser Engagement: Praxisnah, frühzeitig, nachhaltig

Neben der politischen Arbeit leisten wir selbst vielfältige Beiträge entlang der gesamten Bildungskette – praxisnah, niedrigschwellig und wirksam:

  • Chemiekiste für Grundschulen: kindgerechte, sichere Experimente für frühe naturwissenschaftliche Erfahrungen – besonders dort, wo Budgets knapp sind.
  • Mitmachmessen wie die FORSCHA: Chemie zum Anfassen; Experimente und Dialogformate, die Neugier wecken und Berührungsängste abbauen.
  • Wettbewerbsförderung: Unterstützung u. a. von „Chemie – die stimmt!“ und der Internationalen Chemieolympiade – denn Talente brauchen Bühnen, Feedback und Netzwerke.
  • Schülertage an bayerischen Universitäten: Laborbesuche, Forschungseinblicke, Austausch mit Wissenschaftler:innen – Brücken zwischen Schule, Studium und Beruf.
  • Lehrkräfteunterstützung: Fortbildungen, Materialien, Best‑Practice‑Transfer für modernen, experimentellen Chemieunterricht.

Flankiert wird dies durch den Fonds der Chemischen Industrie (FCI), der 2025/26 u. a. ≈2,7 Mio. € für Schul‑ und Unterrichtsförderung, ≈8,5 Mio. € für wissenschaftlichen Nachwuchs und weitere Mittel für Forschung und Didaktik bereitstellt – eine der größten kontinuierlichen Bildungsinvestitionen einer Branche in Deutschland.


Digitalisierung & KI: Kompetenzen für die Arbeitswelt von morgen

Die zunehmende Bedeutung digitaler Technologien macht es notwendig, Schülerinnen und Schüler gezielt auf eine Arbeitswelt vorzubereiten, in der KI, Datenkompetenzen und digitale Werkzeuge selbstverständlich sein werden. Wir begrüßen die aktuellen KI-Leitlinien der KMK und fordern eine rasche Umsetzung an den Schulen, damit pädagogisch sinnvolle Anwendungen von Künstlicher Intelligenz rasch Eingang in den Unterricht finden können. Dies muss zwangsläufig mit der Qualifizierung von Lehrkräften einhergehen.


Unser Ziel: Ein Bildungssystem, das Talente entfaltet und Zukunft gestaltet

Ein modernes Industrieland braucht ein Bildungssystem, das allen jungen Menschen echte Chancen bietet – unabhängig von Herkunft oder Bildungsweg. Dazu gehören gut ausgestattete Schulen, qualifizierte Lehrkräfte, starke MINT‑Angebote und ein verlässlicher politischer Rahmen.

Unser Ziel ist ein Bildungssystem, das Basiskompetenzen stärkt, MINT von der Kita bis zur Hochschule fördert und Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung sicherstellt. Dazu gehören:

  • hochwertiger, experimenteller MINT‑Unterricht in allen Schularten,
  • verbindliche naturwissenschaftliche Komponenten im Abitur,
  • starke berufliche Bildung mit verlässlichen Übergängen in Beschäftigung und Studium,
  • digitale und KI‑Kompetenzen mit klaren rechtlichen Leitplanken,
  • auskömmliche Investitionen in Räume, Ausstattung, IT‑Betrieb und Lehrkräfteprofessionalisierung.

So sichern wir Innovationskraft, Fachkräfte und Wohlstand – und geben Kindern und Jugendlichen in Bayern die Chance, zu gestalten statt nur zu konsumieren, zu verstehen statt nur zu reproduzieren. Wir stehen als verlässlicher Partner bereit: für Schulen, Hochschulen, Lehrkräfte, Talente und Entscheidungsträger.

Unsere Botschaft ist eindeutig: Bildung ist der Rohstoff der Zukunft – und wir leisten unseren Beitrag, damit Bayern auch morgen ein starker, innovativer und wettbewerbsfähiger Standort bleibt.

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Bildung: Botschaften-Forderungen; Daten-Fakten; Forderungen; Chemiereport Spezial


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