Tarifpolitik

Auf der Grundlage ihres verfassungsrechtlich verankerten Auftrags ist es die zentrale Aufgabe der Tarifvertragsparteien, die Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen zu regeln. Hierbei spielt der Flächentarifvertrag auch in der chemischen Industrie eine zentrale Rolle. Denn nur der Flächentarifvertrag gewährleistet eine einheitliche Tarifpolitik und eine Transparenz über die wesentlichen Arbeitsbedingungen innerhalb der Branche. Darüber hinaus werden Tarifkonflikte aus den einzelnen Unternehmen herausgehalten.

Die Erfolgsformel in der chemischen Industrie heißt Sozialpartnerschaft: Sie ist eine innere Haltung im Umgang mit möglichen Konflikten, auf Augenhöhe. Sie baut auf Vertrauen, gegenseitigen Respekt, gemeinsamen Gestaltungswillen und der Erkenntnis, dass man im globalen Wettbewerb nur gemeinsam bestehen kann. Kooperativ und pragmatisch suchen die Tarifvertragsparteien – Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) auf Bundesebene und VBCI auf Landesebene sowie die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) nach den besten Lösungen für Unternehmen und Beschäftigte.

Dabei geht es nicht darum, vorhandene Gegensätze zu verwischen, sondern in einem kontinuierlichen Dialog auszuloten, welche gemeinsamen Schnittmengen bestehen und wie Gegensätze konstruktiv zum Wohle der Unternehmen und der dort arbeitenden Menschen ausgeglichen werden können.

Diese praktizierte Sozialpartnerschaft ist die effizienteste und für die jeweiligen Mitglieder mit dem größten Nutzen verbundene Form des Umgangs zwischen den Tarifvertragsparteien. Sie drückt sich insbesondere aus in modernen, flexiblen und zukunftsfähigen Flächentarifverträgen, außertariflichen Sozialpartner-Vereinbarungen, gemeinsamen Einrichtungen der Sozialpartner sowie der aktiven Beteiligung am Europäischen Sozialen Dialog der Chemie-Branche.

 

Die Tarifparteien haben in den letzten Jahren nicht zuletzt wegen des verschärften internationalen Kostenwettbewerbs der Unternehmen eine Reihe von Flexibilisierungen, Öffnungen und Optionen in den Chemie-Flächentarifverträgen verankert. Mit diesen Tarifreformen waren sie mehrfach Vorreiter. Inzwischen verfügen die Chemie-Unternehmen im Bedarfsfall tariflich über beträchtliche Kosten- und Arbeitszeitspielräume (wie z. B. der Möglichkeit der Erhöhung der Arbeitszeit und der Herabsetzung des Arbeitsentgelts).

Weil die „Chemie stimmt“, hat es den einzigen Streik in diesem Industriezweig in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland 1971 gegeben – vor über 40 Jahren.
Gemeinsam haben die Chemie-Tarifparteien schon frühzeitig auf den strukturellen Wandel der Arbeitswelt reagiert. Zuletzt stand die Bewältigung der Krise im Mittelpunkt. Die Sozialpartnerschaft hat dabei einen echten Härtetest überzeugend bestanden und die schwerste Wirtschaftskrise in der Nachkriegszeit schnell und gut gemeistert. Und auch auf die demografische Herausforderung und den drohenden Fachkräftemangel haben die Chemie-Sozialpartner zahlreiche innovative Antworten gefunden und wichtige Weichen gestellt.

 

Die Tarifvertragsparteien in der chemischen Industrie haben sich wiederholt zum Flächentarifvertrag und seiner Weiterentwicklung bekannt. Eine zukunftsfähige Tarifpolitik kann nicht in der Zersplitterung der Tarifverträge liegen, sondern in der weiteren Flexibilisierung und Öffnung der Flächentarife, wie sie in der Chemie eingeleitet worden sind.

Öffnungsklauseln und die Option unternehmensbezogener Verbandstarifverträge sind dabei wichtige und hilfreiche Instrumente zur Lösung struktureller Fragestellungen innerhalb der Branche sowie für Mitgliedsunternehmen, die in wirtschaftlich schwierigen Situationen mit den Regelungen des Flächentarifvertrags überfordert sind. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass sich der Flächentarifvertrag nur an den Stärksten der Branche ausrichtet. Ein Flächentarifvertrag, der für viele Mitgliedsunternehmen nur noch durch die Nutzung von Öffnungsklauseln zu ertragen ist, verdient seinen Namen nicht mehr. Deshalb ist es Aufgabe der Tarifvertragsparteien, hier Regelungen und Mindeststandards zu finden, die grundsätzlich für alle Mitgliedsunternehmen umsetzbar sind.

 

Die Chemie-Sozialpartnerschaft und ihre innovative und flexible Tarifpolitik gehören zum Fortschrittlichsten, was der Tarifsektor zu bieten hat. Beide haben dazu beigetragen, Krisen zu überwinden und im internationalen Wettbewerb zu bestehen – ihnen gehört die Zukunft.

 


 

Weitere Positionen zur Tarifpolitik

Entgeltgleichheit: BAVC-Position_Entgeltgleichheit

Flächentarif: BAVC-Position_Flächentarif

Mindestlohn: BAVC-Position_Mindestlohn

Sozialpartnerschaft: BAVC-Position_Chemie-Sozialpartnerschaft

Tarifeinheit: BAVC-Position_Tarifeinheit

Gemeinsame Erklärung_BAVC_IGBCE_Tarifeinheit gesetzlich verankern

 


 

Artikel und Beiträge zur Tarifpolitik:

Chemie–Tarifrunde 2016 eröffnet

Forderungsempfehlung des IG BCE-Hauptvorstandes: 5 Prozent mehr Entgelt Der IG BCE-Hauptvorstand in Hannover hat am vergangenen Freitag die Eckpunkte für die Chemie-Tarifrunde 2016 gesetzt und eine Forderungsempfehlung beschlossen. Danach sollen die Entgelte um 5 Prozent steigen. Außerdem soll der Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg“ weiterentwickelt werden. Schwerpunkt der IG BCE–Argumentation: Der deutschen Wirtschaft gehe es gut, Europa liege auf...
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Schlichtung erfolgreich: Tarifergebnis für Werkfeuerwehren in der Chemie

Chemie-Arbeitgeber und IG BCE haben sich am gestrigen Dienstag (2. Februar) auf neue Regeln für Werkfeuerwehren in der chemischen Industrie geeinigt. Im Mittelpunkt steht, die Einsatzfähigkeit für den Feuerwehrberuf langfristig zu erhalten, etwa durch ein verstärktes Monitoring und individuelle Gesundheitsprogramme. In der Chemie-Industrie arbeiten ca. 2.000 hauptberufliche Werkfeuerwehrleute.

Gemeinsames Ziel: Einsatzfähigkeit langfristig erhalten

Feuerwehrleute, die die gesetzlich...
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Ausbildung: Bilanz der chemischen Industrie 2015

Großes Angebot mit guten Perspektiven

Die Chemie-Branche schafft erneut tausende Chancen für den Berufseinstieg: Mit bundesweit 9.209 neuen Ausbildungsplätzen haben die Chemie-Arbeitgeber ihr tariflich vereinbartes Ziel auch 2015 erreicht. Seit dem Start des Ausbildungstarifvertrages im Jahr 2003 konnte damit in 11 von 13 Jahren das tarifliche Soll übertroffen werden. Lediglich in den Krisenjahren 2009 und 2010...
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Mitgliederversammlung 2015 – Vorstandswahl und mahnende Worte

Am 08.07.2015 fand die gemeinsame Mitgliederversammlung des Vereins der Bayerischen Chemischen Industrie e.V. (VBCI) und des Verbands der Chemischen Industrie e.V., Landesverband Bayern (VCI-LV Bayern) im Münchner Künstlerhaus statt. Dort haben die Mitgliedsfirmen turnusmäßig ihren Vorstand und die wichtigsten Gremien für die nächsten zwei Jahre gewählt. Prominenter Gastredner im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung war Günther Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft. In seinem brillanten Vortrag bekannte sich Oettinger nachhaltig zur engen Abhängigkeit von Industrie und Wohlstand. Im Rahmen der Mitgliederversammlung der Bayerischen Chemieverbände fand auch die Siegerehrung des diesjährigen Responsible-Care-Landeswettbewerbs 2015 statt.

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Tarifautonomie: Tarifeinheit wieder hergestellt

Nach dem Grundsatz der Tarifeinheit gilt in einem Betrieb nur ein einziger Tarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten regelt: ein Betrieb — ein Tarifvertrag. Dieser Tarifvertrag differenziert, wenn es um Eingruppierung und daran anknüpfendes Entgelt geht, nach den verschiedenen Funktionen und Aufgaben der Beschäftigten. Da im Betrieb (bisher) nur ein Tarifvertrag Anwendung finden konnte,...
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Chemie-Tarifabschluss 2015: Entgelterhöhung – Nach einem Leermonat 2,8 Prozent für 16 Monate

Chemie-Tarifabschluss 2015

Nach einem Leermonat 2,8 Prozent für 16 Monate Demografiebetrag: 550 Euro für 2016 und 750 Euro ab 2017 betriebliche Flexibilität durch 1 Leermonat und Verschiebemöglichkeit   Nach neun regionalen und drei zentralen Verhandlungsrunden haben BAVC und IG BCE eine Einigung in der Tarifauseinandersetzung erzielt: Die Entgelte der 550.000 Beschäftigten in den 1.900 Betrieben der chemischen...
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