
Demografie und Arbeitsmarkt: Herausforderungen und Lösungsansätze
Der demografische Wandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Er verändert die Altersstruktur, die Arbeitsmärkte und die Erwartungen an Unternehmen. Er beeinflusst nahezu alle Bereiche der Gesellschaft und stellt Wirtschaft und Sozialsysteme vor grundlegende Veränderungen. Der demografische Wandel ist keine abstrakte Bedrohung, sondern eine Realität, die jeden betrifft. Unternehmen, Politik und Gesellschaft müssen gemeinsam daran arbeiten, Lösungen zu finden. Mit gezielten Maßnahmen wie Bildungsoffensiven, der Förderung von Fachkräften und einer nachhaltigen Einwanderungspolitik können wir die Herausforderungen meistern und die Chancen nutzen. Für die chemisch-pharmazeutische Industrie bedeutet das: Wir müssen heute handeln, um auch morgen wettbewerbsfähig und attraktiv zu bleiben. Die Bayerischen Chemieverbände sehen Demografie nicht als Risiko, sondern als Gestaltungsauftrag.
Aktuelle Entwicklungen und Prognosen
Deutschland ist eine alternde Gesellschaft. Bereits 2035 wird jede vierte Person mindestens 67 Jahre alt sein; bis 2038 steigt die Zahl der Menschen im Rentenalter auf 20,5 bis 21,3 Millionen. Parallel schrumpft die Erwerbsbevölkerung. Diese Entwicklung führt zu spürbaren Veränderungen in Unternehmen: Die Belegschaften werden älter, die Zahl der unbesetzten Stellen steigt, und die Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze sinken.
Deutschland erreicht bei 55‑ bis 64‑Jährigen historisch hohe Erwerbsquoten (zuletzt ≈ 75 %). Gleichzeitig stehen in den nächsten 10–12 Jahren über 8 Millionen ältere Beschäftigte vor dem Ruhestand – die Lücke ist beispiellos. Unternehmen müssen daher Gesundheit, Produktivität und Wissenstransfer systematisch sichern: mit ergonomischen Arbeitsplätzen, präventivem Gesundheitsmanagement, flexiblen Arbeitszeit‑ und Schichtmodellen sowie gezielter Qualifizierung über das gesamte Erwerbsleben. Steigende gesunde Lebensjahre in Europa helfen – ersetzen Prävention im Betrieb aber nicht.
Die Bevölkerung wird älter, die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, und gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualifikation und Flexibilität. Für Unternehmen heißt das:
- Nachwuchs zu gewinnen wird schwieriger.
- Ältere Beschäftigte bleiben länger im Arbeitsprozess.
- Fachkräfte sind hart umkämpft.
Diese Entwicklung betrifft alle Bereiche – von Ausbildung über Arbeitsorganisation bis hin zu Personalstrategien.
Strategien für eine demografiefeste Branche
Nachwuchs sichern und Ausbildung stärken
Eine starke Ausbildung ist die beste Antwort auf den demografischen Wandel. Wir setzen uns für moderne, praxisnahe Ausbildungsangebote ein und fördern MINT-Kompetenzen. Gleichzeitig müssen wir die Erwartungen der jungen Generation ernst nehmen: Sie sucht Sinn, Entwicklungsmöglichkeiten und digitale Arbeitswelten.
Elementare Vielfalt (ElVi) unterstützt unsere Mitgliedsunternehmen dabei, junge Menschen für die Chemie zu begeistern. Das moderne Online‑Portal bündelt über 50 Ausbildungsberufe, zeigt realistische Berufsbilder, stellt freie Ausbildungsplätze zentral bereit und nutzt digitale Services – inklusive KI‑gestützter Beratung („Frag ElVi“) und Karriereguide. ElVi verschafft der Branche Sichtbarkeit im Wettbewerb um Talente und wirkt gezielt dem demografisch bedingten Rückgang potenzieller Bewerberinnen entgegen.
Arbeitsfähigkeit erhalten und Wissen sichern
Mit älteren Belegschaften steigt die Bedeutung von Gesundheit, Ergonomie und flexiblen Arbeitsmodellen. Wir setzen auf Konzepte, die Beschäftigungsfähigkeit über das gesamte Berufsleben sichern – und auf den Wissenstransfer zwischen den Generationen.
Fachkräfteradar Chemie Bayern ergänzt diese Strategie: Die Plattform hilft, Fachkräfte innerhalb der Branche zu halten, indem sie bei betrieblichen Veränderungen Anschlussbeschäftigungen vermittelt. Der Fachkräfteradar Chemie Bayern ist eine Talent‑Sharing‑Plattform, über die Unternehmen Beschäftigte oder Ausbildungsabsolventen, die sie aus betrieblichen Gründen nicht weiterbeschäftigen können, gezielt innerhalb der Branche weiterempfehlen. Fachkräfte erhalten dadurch schnell Kontakte zu suchenden Betrieben, Unternehmen mit Bedarf greifen unbürokratisch auf passgenaue Profile zu – und wertvolles Know‑how bleibt in der chemisch‑pharmazeutischen Industrie. Das stärkt Beschäftigungsfähigkeit, reduziert Arbeitslosigkeitsrisiken und ist hochwirksam gegen demografische Engpässe.
Qualifizierte Zuwanderung nutzen
Zuwanderung ist ein zentraler Hebel, um Fachkräfteengpässe auszugleichen. Wir unterstützen Unternehmen bei Anerkennung, Integration und Sprachförderung und setzen uns politisch für schnelle, digitale Verfahren ein. Internationale Fachkräfte sind eine Chance – wir wollen sie gewinnen und langfristig binden.
Arbeitswelt modern gestalten
Der demografische Wandel trifft auf eine Arbeitswelt im Umbruch. Digitalisierung, Automatisierung und neue Erwartungen verändern Tätigkeiten und Karrierewege. Unternehmen müssen lebenslanges Lernen ermöglichen, flexible Arbeitsmodelle anbieten und Entwicklungsperspektiven schaffen – für alle Generationen.
Externe Faktoren nicht vergessen
Fachkräftesicherung endet nicht am Werkstor. Kinderbetreuung, Wohnraum und leistungsfähige Verwaltungen sind entscheidend, damit Menschen arbeiten können und wollen. Regionale Unterschiede in Bayern zeigen: Demografiepolitik braucht auch Standortpolitik.
Demografie aktiv gestalten
Wir setzen auf:
- starke Ausbildung und Nachwuchsgewinnung,
- gesunde und flexible Arbeitsbedingungen,
- qualifizierte Zuwanderung,
- moderne Arbeitswelten,
- praxisnahe Lösungen wie ElVi und Fachkräfteradar.
Demografie ist kein Naturereignis, sondern eine Gestaltungsaufgabe. Gemeinsam mit unseren Mitgliedsunternehmen und Sozialpartnern schaffen wir die Voraussetzungen für eine leistungsfähige, innovative und attraktive Chemieindustrie in Bayern – heute und morgen.
Weitere Positionen zur Demografie
Altersvorsorge: BAVC-Position_Altersvorsorge
Gleitende Übergänge: BAVC-Position_Gleitende_Übergänge
Nachwuchssicherung: BAVC-Position_Nachwuchssicherung
Gesundheit: BAVC-Position_Gesundheit
