Gefahreneinstufung von Titandioxid nicht nachvollziehbar

Ausschuss der Europäischen Chemikalienbehörde schlägt neue Gefahreneinstufung von Titandioxid vor:

Der VCI hält diese Empfehlung für nicht nachvollziehbar!

 

Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur ECHA hat empfohlen, das Weißpigment Titandioxid als „einen Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung beim Menschen“ durch Einatmen einzustufen. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) wie auch seine besonders betroffenen Mitgliedsverbände – darunter der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) und der Verband der Mineralfarbenindustrie (VdMi) – halten diese Empfehlung aus toxikologischer Sicht für nicht nachvollziehbar und beklagen eine ungerechtfertigte Stigmatisierung dieses wichtigen Industrierohstoffs.

 

Hintergrund ist, dass auf Vorschlag Frankreichs bei der ECHA eine EU-weit harmonisierte Einstufung von Titandioxid als krebserzeugend angeregt wurde. Der französische Vorschlag stützt sich dabei auf Studien an Ratten, denen extrem hohe Konzentrationen an Titandioxid-Staub inhalativ verabreicht wurden. Dies führt zu sogenannten Lungenüberladungen (lung overload) durch das Einatmen von Staubpartikeln.

 

Alle relevanten Leitlinien der ECHA, der OECD und des Europäischen Zentrums für Toxizität und Ökotoxizität stellen jedoch übereinstimmend fest, dass Ergebnisse aus derartigen Lung-overload-Studien an Ratten nicht auf den Menschen übertragbar sind. Auch epidemiologische Studien zeigen keinen Zusammenhang zwischen der Exposition von Titandioxid-Staub am Arbeitsplatz und einem Risiko, an Krebs zu erkranken. In Deutschland sind Staub-Exposition am Arbeitsplatz drüber hinaus bereits durch einen allgemeinen Grenzwert für Staub besonders streng geregelt. Entsprechende Regelungen gibt es auch in den meisten EU-Mitgliedsstaaten.

Titandioxid findet als weißes Pigment Verwendung in vielen Produkten: als Lebensmittelzusatzstoff beispielsweise in Zahnpasta, Kaugummis und Hustenbonbons sowie als Pigment in Kosmetika. Etwa 80 Prozent des gesamten Verbrauchs entfallen auf technische Anwendungsgebiete von Titandioxid. Hierzu zählen Farben und Lacke, Kunststoffe, Textilien und Papier mit hohem Weißgrad. Auch als UV-Blocker in Sonnencremes und Aufheller in Arzneimitteln wird Titandioxid verwendet.

Titandioxid ist das am häufigsten verwendete Weißpigment. Aufgrund seiner hervorragenden technischen Eigenschaften findet es breite Verwendung in fast allen Branchen und Wertschöpfungsketten: zum Beispiel in Farben, Lacken, Kunststoffen oder bei der Papierherstellung. In der Regel ist Titandioxid in eine Matrix wie Bindemittel und Kunststoff gebunden. Es liegt somit nicht als Staub vor, sodass eine sichere Anwendung gewährleistet ist.

Das Einstufungsverfahren führt schon jetzt zu einer großen Verunsicherung in vielen Industriebranchen und deren Abnehmern. Die Auswirkungen wären unverhältnismäßig hoch auf allen Gebieten, in denen das Weißpigment eingesetzt wird.

Der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. hat ein Memorandum, unterzeichnet von 92 Mitgliedsunternehmen, veröffentlicht und bezieht darin entschieden Stellung:

• gegen eine wissenschaftlich nicht gerechtfertigte Stigmatisierung von Titandioxid
• gegen den Missbrauch des EU-Einstufungsverfahrens zu politischen Zwecken
• gegen ein drohendes Verkaufsverbot von titandioxidhaltigen Farben und Lacken für den Heimwerkermarkt.

 

Weitere Informationen:

Zur Pressemitteilung des VCI

Zur Pressemitteilung des VdL und weiteren Hintergrundinformationen

Zur Pressemitteilung des VdMi

Zum gemeinsamen Informationsangebot des VdL und des VdMI Pro Titandioxid

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