Die Pharma- und Chemiebranche gehören schon immer zusammen

Die Pharmabranche ist seit jeher ein integraler Bestandteil der Chemiebranche. Oft wird deshalb (gleichbedeutend) von der chemisch-pharmazeutischen Industrie gesprochen. Viele bayerische Pharmaunternehmen sind Mitglied im VBCI, dem Arbeitgeberverband der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Bayern. Über die Mitgliedschaft in BPI (Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V.) oder vfa (Verband forschender Arzneimittelhersteller e.V.) – beide Fachverbände im VCI – sind zudem viele Pharmaunternehmen auch Mitglied im VCI (Verband der Chemischen Industrie e.V.). Als Bayerische Chemieverbände vertreten wir daher sowohl über den Arbeitgeberverband (VBCI) als auch über den Wirtschaftsverband (VCI, Landesverband Bayern) die Pharmazeutische Industrie in Bayern. Über die beiden Fachverbände sind ca. 40 Pharmaunternehmen in den Bayerischen Chemieverbänden organisiert.

Bayern hat eine bedeutende Pharmaindustrie

In Bayern sind viele pharmazeutische Unternehmen als Großhandel klassifiziert, weshalb die Industriestatistik (amtliche Statistik) große Teile der Branche nicht unter “Pharma” darstellt und damit die Bedeutung ggf. unterschätzt wird. Mit 4,4 Mrd. EUR Wertschöpfung und etwa 26.000 Erwerbstätigen macht die Pharmazeutische Industrie in Bayern aber nahezu 1% der Wertschöpfung und einen gewichtigen Teil der Arbeitnehmer aus. Denn es kommen noch ca. 25.000 Mitarbeiter der Apotheken hinzu und – wenn man die indirekten Effekte (Zulieferer, Dienstleiter) mitzählt – noch viele Tausend Arbeitsplätze, für die auch die Pharmabranche verantwortlich ist. Auch als Innovationsmotor ist die Branche enorm wichtig. Die Pharmabranche in Bayern beschäftigte 2013 rund 1.600 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung, hinzukommen weiter ca. 1.000 in Forschungseinrichtungen. Die Erfolge – medizinischer Fortschritt – können sich sehen lassen.

Der Pharmamarkt ist stark reguliert

Die Pharmabranche ist wie kaum eine andere von Regulierungen und Gesetzen betroffen. Grund ist einerseits, dass bei Produkten, die so nah an der Gesundheit des Menschen wirken, selbstverständlich ein hohes Maß an Qualität und Sicherheit – auch staatlicherseits – sichergestellt werden muss. Dies bedeutet hohe Hürden und hohen Aufwand (Kosten) bei Forschung, Entwicklung, Zulassung, Vertrieb, Logistik, Information, Dokumentation und Überwachung.
Für die Produktion, die Zulassung von Anlagen, für Umweltschutzthemen und ähnliche Fragen kommen alle Vorgaben hinzu, die reine Chemiefirmen auch haben. In der Pharmaindustrie sind die Vorgaben vielfach deutlich strenger.
Was viele aber nicht wissen ist, dass auch der Markt der Arzneimittel sehr stark reguliert ist. So gibt es sogenannte Zwangsrabatte, die Pharmaunternehmen gesetzlich gewähren müssen oder ein Preismoratorium, dass es Unternehmen seit 2010 verbietet die Preise zu erhöhen. Für neue Arzneimittel werden erst jeweils der Zusatznutzen bewertet und in Anlehnung an andere Therapien Preise verhandelt. Es gibt sogar Ideen, die den Ärzten Therapieoptionen nehmen sollen, weil damit vermeintlich die Kosten im Gesundheitssystem gesenkt werden. Und, und, und. Die Preise für Arzneimittel sind stark gelenkt und reguliert.

Warum wird so viel um diese Regulierungen und Gesetze gestritten? Warum sind die Positionen von Krankenkassen und Pharmaindustrie oft so weit auseinander?

Aus Sicht der Kassen sind Arzneimittel Kosten. Krankenkassen haben betriebswirtschaftlich gedacht – zumindest kurzfristig – kein Interesse an zusätzlichen Kosten, also auch nicht an neuen Arzneimitteln oder Behandlungsmethoden; schon gar nicht an teureren als den existierenden.
Der Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems ist das (scheinbar) dienlich, denn die Kosten der Kassen müssen durch die Beiträge aller Versicherten gedeckt werden – eine Solidargemeinschaft! Gesetzliche Krankenkassen können untereinander nicht wirklich über bessere oder umfassendere Leistungen in Wettbewerb treten, weil die Regelleistungen für alle gleich definiert sind.
Die meisten Versicherten sind gesund. Weil es im Grund keine “Leistungsunterschiede” bei den gesetzlichen Krankenkassen gibt, ist aus Sicht eines Versicherten fast ausschließlich der monatliche Beitrag für die Kassenwahl relevant.
Sobald ein Versicherter zum Patient wird, möchte er natürlich die bestmögliche Versorgung. Unser deutsches Gesundheitssystem hat die Leitlinie, dass existierende Therapien/Arzneimittel allen gleichermaßen zugänglich sein sollen. Das ist sozial gerecht. Damit sind gesetzliche Krankenkassen verpflichtet, jede Behandlung (aus der Regelleistung) zu bezahlen, wenn ein Arzt die Behandlung für sinnvoll hält. Weder Patienten noch Arzt haben finanzielle Anreize diese Kosten zu dämpfen.
Die Pharmaindustrie möchte die Patienten mit Medikamenten versorgen und dabei natürlich Geld verdienen. Die Pharmafirmen untereinander stehen (international) im Wettbewerb – allerdings nicht bei den Arzneimitteln, die patentgeschützt bei einer Indikation einsetzbar sind, bei der es keine Therapiealterativen gibt. Das ist zwar insgesamt kein besonders großes Volumen in den Gesundheitskosten, aber hier ist eine Marktpreisbildung tatsächlich schwer (quasi Monopol) und entsprechend schwierig sind die Debatten.
In allen anderen Fällen, wo es für eine Indikation Wettbewerb gibt, z.B. bei patentfreien Medikamenten oder bei Indikationen, wo es mehrere Therapien auf dem Markt gibt, kann sich im Wettbewerb ein fairer Preis bilden.

Viele Diskussionen um patentgeschützte Medikamente

Aus Sicht der Kassen sind also die patentgeschützten Medikamente oft ein Kostenproblem: Sie nicht zu erstatten, verbietet das Gesetz, aber zu hohe Preise könnten – so die Sicht der Kassen – die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems gefährden. Dieses “Dilemma” ist seit der Einführung des AMNOG eigentlich gelöst. Seit 2011 müssen alle neuen Medikamente ihren Zusatznutzen gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie (ZVT) belegen. Die Erstattungsbeträge (also die Preise, die von den Kassen erstattet werden müssen) werden im Anschluss daran immer mit Blick auf die Vergleichstherapie verhandelt.
Nur ein “Problem” ist geblieben:
Neue Medikamente müssen ihre eigenen Entwicklungskosten natürlich verdienen. Entwicklungskosten liegen zwischen 1 und 2 Mrd. EUR je Wirkstoff. Entwicklung von Medikamenten ist also aus Sicht der Unternehmen sehr teuer und damit sehr riskant. Nicht selten müssen Entwicklungen eingestellt werden – und die Kosten bleiben. Deshalb können neue Medikamente nur auf den Markt gebracht werden bzw. sie werden auch nur dann überhaupt entwickelt, wenn sie nach Markteinführung einen ausreichenden Preis haben und über den Verwendungszeitraum nicht nur Produktionskosten, sondern auch Forschungs-, Entwicklungs- und Zulassungskosten sowie eine Marge erwirtschaften. Generika, also Präparate ohne Patentschutz haben diese Phase meist schon hinter sich und deren Preise müssen nur noch die Kosten Produktion, Vertrieb und Überwachung sowie eine Marge erwirtschaften.

Wie also ist es zu bewerten, wenn man eine Krankheit mit einem Generikum (günstig) behandeln kann und es eine Therapiealternative gibt, die besser, aber auch viel teurer ist?

Wir sind der Meinung, medizinischer Fortschritt und medizinische Forschung sind nötig, sozial, nachhaltig, verantwortungsvoll und in jedem Fall geboten. Gesundheit ist das wichtigste für jeden einzelnen von uns. Und auch für Gesellschaft und Wirtschaft. Nur wer gesund und leistungsfähig ist, kann sich für Familie und Freunde einsetzen, kann in seinem Beruf seinen Beitrag leisten. Der Arzt sollte trotz höherer Kosten das bessere Medikament verschreiben dürfen.
Unter den 30.000 bekannten Krankheiten sind nur 10.000 behandelbar und auch bei den schon behandelbaren Krankheiten sind Verbesserungen möglich und im Interesse der Patienten wünschenswert.
Während der Patentlaufzeit müssen die Forschungs- und Entwicklungskosten erwirtschaftet werden. Damit müssen neue, innovative Medikamente zwangsläufig teurer sein als die schon länger im Markt befindlichen Alternativen – selbst wenn der jeweilige medizinische Fortschritt vielleicht nur ein kleiner ist.

Therapieoptionen für Ärzte dürfen nicht eingeschränkt werden, die Finanzierbarkeit von innovativen Arzneimitteln muss gewährleistet sein

Wir sind der Meinung, das System der Solidargemeinschaft erlaubt uns, medizinischen Fortschritt so mitzufinanzieren. Es sollte verhindert werden, dass Therapieoptionen deutschen Patienten nicht zur Verfügung stehen, weil die Rahmenbedingungen für die Pharmaindustrie bei uns nicht gut genug sind.

 

Neben diesem Kernthema der Finanzierbarkeit von Innovationen beschäftigen uns viele weitere Fragen rund um die pharmazeutische Industrie.
Die chemische-pharmazeutische Industrie in Deutschland war früher weltweit führend, Deutschland war die Apotheke der Welt. Wir sind noch immer an einer Spitzenposition. Das soll unserer Meinung nach auch so bleiben.

Gerade die Pharmaindustrie trägt zu unserem Wohlstand deutlich bei – über ihre Produkte, aber auch über die Wertschöpfung und Arbeitsplätze.

Viele weiterführende Informationen erhalten Sie auf den Seiten der Fachverbände im VCI:

BPI e. V.

vfa e. V.

BV Med

oder über die unabhängige Plattform Pharma-Fakten

In Bayern gibt es die Pharmainitiative Bayern, die sich zum Ziel gesetzt auch die volkswirtschaftliche Bedeutung der Pharmaindustrie in Bayern stärker hervorzuheben: Gesundheitspolitik ist immer auch Wirtschaftspolitik.

 

Artikel und Beiträge rund um das Thema Gesundheit, Pharma, Gesundheitspolitik:

„So teuer kann sparen sein“ – Vorstellung einer Analyse für den Pharma-Standort Bayern

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